Berlin (dpa) - Zum Abendessen gibt es haufenweise Pizza und chinesische Nudelgerichte, mitten in der Nacht trinken sie Kaffee und zum Frühstück werden Pfannkuchen bei Luke's gegessen. Die Essensgewohnheiten waren nicht die einzigen Sonderheiten von Lorelai und Rory Gilmore.

Mit ihrer Kaffeesucht, ihrem Wortwitz und ihrer innigen Mutter-Tochter-Beziehung wurden die "Gilmore Girls" zum Kult. Vor neun Jahren endete die Show - und ließ etliche Fragen offen. Nun bringt der Online-Streamingdienst Netflix mit "Gilmore Girls: Ein neues Jahr" (Start: 25. November) eine Neuauflage raus.

Die Handlung der Originalserie war eigentlich simpel. Eine Mutter und ihre jugendliche Tochter leben in einer idyllischen Kleinstadt im US-Ostküstenstaat Connecticut. Schulstress, Karriereziele, Liebeschaos und Familienstreit prägen ihre Leben. Doch ihre Beziehung ist eine besondere: Die impulsive und chaotische Lorelai (gespielt von Lauren Graham), nur 16 Jahre älter als ihre Tochter, und die lerneifrige Rory (Alexis Bledel) sind mehr Freundinnen als Mutter und Tochter. Ein rasendschneller Wortwechsel ist ihr Markenzeichen. Skurrile Charaktere und allerlei Festivitäten und Skandale im charmanten Örtchen Stars Hollow sorgen stets für Aufregung.

Über sieben Staffeln hinweg nahmen Zuschauer von 2000 bis 2007 an dem Leben der beiden Anteil. "Die Show erzeugte immer so ein altmodisches Gefühl des Glücks", sagte Graham der Deutschen Presse-Agentur. "Ich glaube, dass Menschen das momentan noch mehr brauchen." Vier Episoden von "Gilmore Girls: Ein neues Jahr" zeigen nun, wie es Lorelai und Rory heute ergeht. Die 32-jährige Rory, die als Absolventin der Eliteuniversität Yale eine Journalisten-Karriere angestrebt hatte, fasst in der Branche nicht Fuß. In ihrem Liebesleben tappt sie ebenfalls im Dunkeln. Lorelai ist zwar mit ihrer großen Liebe Luke (Scott Patterson) fest zusammen, hat aber an ihren eigenen Problemen zu knabbern - nicht zuletzt die schwierige Beziehung mit ihrer konservativen Mutter.

Mit "Gilmore Girls: Ein neues Jahr" ist ein Serienklassiker zu einem der größten Online-Streamingdienste der Welt gewechselt. Netflix kann damit auch eine neue Zielgruppe ansprechen, die für die ersten sieben Staffeln zu jung war oder sie verpasst hatte. "Als Netflix ankam, haben wir uns gedacht, 'was für eine tolle Chance, in ein neues Format einzutauchen und Geschichten auf eine andere Art, aber mit Hilfe von geliebten Charakteren zu erzählen'", sagte die Autorin, Regisseurin und Produzentin der Neuauflage, Amy Sherman-Palladino, die bereits für die ersten sechs Staffeln verantwortlich war. Bereits die Verfügbarkeit der alten Serie auf Netflix haben der Show etliche neue Anhänger beschert. 

Nun sind die Erwartungen hoch. Monatelang haben Fans jeden einzelnen Trailer und Tweet nach Hinweisen durchforstet, wie es mit den Gilmore-Frauen wohl weitergeht. "Wir waren nervös", sagte Bledel. Für die Fans hat die Neuauflage einiges zu bieten: Fast alle Charaktere der Originalserie sind vertreten - inklusive der drei Verflossenen von Rory. Der Witz und fliegende Wortwechsel zwischen Mutter und Tochter haben nicht nachgelassen, die Angewohnheiten der beiden - von der Kaffeesucht bis zu ihrem trivialen Popkultur-Wissen - auch nicht. Zudem spricht die neue Serie Themen an, die das Alter der Protagonisten einfühlsam widerspiegeln: Enttäuschungen des Lebens, Trauer, Neubeginn.

Doch die Neuauflage lässt zu wünschen übrig. Die vier Episoden haben trotz der jeweiligen Spielfilmlänge wenig Handlung. Das leichte Geplauder und die skurrilen Vorkommnisse in Stars Hollow waren in der Originalserie eher die Kulisse für die Geschichte der beiden Frauen, in der neuen Staffel stehen sie aber oftmals im Vordergrund - als wollten die Macher stets die Nostalgie der Zuschauer bedienen. Die eigentlichen Entwicklungen der Charaktere bleiben dabei aber zurück.

Und die großen Fragen, die sich wohl jeder Fan nach dem Ende der Originalserie gestellt hat? Heiraten Lorelai und Luke endlich? Versöhnen sich Lorelai und ihre Mutter? Und für welchen Mann entscheidet sich Rory? Einige davon werden beantwortet, andere jedoch nicht - was so manch ein Fan womöglich enttäuschen wird. Doch wie etliche Beispiele schon gezeigt haben: Eine Neuauflage eines Klassikers ist immer ein Risiko.