Berlin (SID) - Die Sportausschuss-Vorsitzende des Deutschen Bundestags, Dagmar Freitag, hat nach den neuerlichen Doping- und Korruptionsvorwürfen im Leichtathletik-Weltverband IAAF den WADA-Präsidenten Craig Reedie scharf kritisiert. "Ich habe meine Probleme mit der Welt-Anti-Doping-Agentur, insbesondere mit dem Vorsitzenden Craig Reedie", sagte die SPD-Politikerin am Montag in Berlin: "Persönlich bin ich der Meinung, dass er nicht der Richtige an der Spitze der Organisation ist."

Am vergangenen Wochenende hatte die ARD-Dopingredaktion und die französische Tageszeitung Le Monde berichtet, dass die dubiosen Machenschaften des Clans um den ehemaligen IAAF-Präsidenten Lamine Diack offenbar größer als bisher angenommen sind. Demnach sollen positive Dopingproben von mindestens sechs Sportlern gegen Geldzahlungen in sechsstelliger Höhe vertuscht worden sein.

Dabei fanden ARD und Le Monde heraus, dass Reedie bereits 2014 über Hinweise auf die mafiösen Strukturen informiert gewesen sein soll. Die WADA soll die IAAF-Ethikkommission im Herbst 2014 über auffällige Blutwerte und den Verdacht der Schutzgeldzahlungen in Kenntnis gesetzt haben. Im weiteren Verlauf seien die Dopingjäger diesen Hinweisen aber nicht nachgegangen. "Man kann nur von einem Komplettversagen der WADA sprechen", sagte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV): "Wenn sich regelwidriges Handeln beweisen lässt, ist die einzige Konsequenz, dass die handelnden Personen ihre Ämter aufgeben."

Der Schotte Reedie, erst vor wenigen Tagen für drei Jahre wiedergewählt, ist bereits seit längerem umstritten. Vor allem, dass Reedie nebenbei auch Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ist, ist vielen Anti-Doping-Kämpfern ein Dorn im Auge.