Köln (SID) - Ein Protestbrief aus den Spitzensportverbänden setzt Präsident Alfons Hörmann vor der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Magdeburg weiter unter Druck. In der Auseinandersetzung zwischen Hörmann und Thomas Weikert, dem Vorstandsvorsitzenden des Trägervereins der DOSB-Trainerakademie, hat sich die Sprechergruppe der Spitzensportverbände schriftlich von Hörmann distanziert und dessen Vorgehen als "befremdlich" sowie als "diskriminierend" und "unpassend" gegenüber Weikert bezeichnet.

Hörmann selbst hat im SID-Interview, das nach dem Erhalt des Schreibens stattfand, noch jede Parteinahme durch die Spitzensportverbände im "Fall Weikert" bestritten. Auf die Frage, wie sich die Spitzenverbände in der Sache positioniert hätten, antwortete Hörmann: "Gar nicht." Man werde in Magdeburg über das Thema reden.

In dem Fall selbst steht noch immer Aussage gegen Aussage. Hörmann hatte Weikert schriftlich zum Amtsverzicht aufgefordert, nach Darstellung des Chefs der Trainerakademie, der auch Präsident des Tischtennis-Weltverbandes ITTF ist, ohne vorherige persönliche Absprache. Hörmann, dem Weikert schlechten Stil vorwirft, bestreitet das.

In dem von Ruder-Präsident und Verbände-Sprecher Siegfried Kaidel unterzeichneten Brief, der dem SID vorliegt, heißt es: Dass "ungeachtet der langjährigen engen Zusammenarbeit mit dem DOSB und dessen Führung" nicht mit Weikert gesprochen worden sei, "betrachten wir als befremdlich und distanzieren uns als Sprechergruppe hiervon. Unser Anliegen ist es, in dieser Form unser Unverständnis über die Verfahrenshandhabung zum Ausdruck zu bringen, die wir gegenüber dem derzeitigen Vorstand als diskriminierend und in Anbetracht des langjährigen erfolgreichen Engagements als unpassend empfinden."

Zuletzt war Hörmann wegen Äußerungen in der Bundespressekonferenz während der Vorstellung des Entwurfes zur Spitzensportreform am vergangenen Donnerstag unter Druck geraten. Dort hatte er aus einem angeblichen "Manifest" von Sportlern zitiert, die der Reform laut Hörmann "zu 95 Prozent" zustimmten. Eine Befragung mit konkretem Bezug auf die Spitzensportreform hat es aber nie gegeben.

"Das ist mindestens verwunderlich. Wie es dazu kommen konnte, dass er die Sache in einen Kontext mit der Spitzensportreform stellt, ist mir völlig unverständlich", sagte Fechter Max Hartung, Mitglied der DOSB-Athletenkommission, dem SID. Auch Dagmar Freitag, die Sportausschussvorsitzende im Bundestag, kritisierte Hörmann scharf.

"Irgendwie passt das schon ins Bild. Es wird mit Methoden gearbeitet, die ich persönlich ablehne", sagte Freitag dem SID: "Wenn man versucht, Befragungen, die in einem völlig anderen Kontext gefallen sind, als Beleg zur Zustimmung zur Spitzensportreform zu nutzen, dann ist das ein Stil, der aus meiner Sicht nicht in den Sport gehört, wo es um Werte wie Fairness und Fair Play geht."