Köln (SID) - Der Streit zwischen den Spitzenfunktionären Alfons Hörmann und Thomas Weikert nimmt kurz vor der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am Samstag in Magdeburg an Intensität zu. Weikert, Präsident des Tischtennis-Weltverbandes ITTF, forderte DOSB-Präsident Hörmann im Zuge der Auseinandersetzung um die Besetzung des Vorstandsamtes im Trägerverein der DOSB-Trainerakademie schriftlich zu einer Entschuldigung auf.

In dem Brief an Hörmann, der dem SID vorliegt, weist Weikert auf die "Stillosigkeit, Unhöflichkeit und rechtliche Fragwürdigkeit" von Hörmanns Vorgehensweise hin. Der Rechtsanwalt aus Limburg an der Lahn schrieb Hörmann, dass dieser den Vorgang nach der "Distanzierung der Spitzenverbände von der Art Ihres Vorgehens" nicht etwa bedauert habe, "sondern ausgerechnet mich als den Hauptbetroffenen angegriffen und mich schriftlich einer Medienkampagne zum Schaden von 'Sportdeutschland' beschuldigt" habe.

Laut Weikert habe ihm Hörmann in einem späteren Schreiben vorgeworfen, "ich hätte 'eindrucksvoll die Maske fallen lassen', und unterstellen mir erneut unlauteres Verhalten - ohne jeden Beweis dafür vorzulegen". Weikert forderte Hörmann auf, "den Vorwurf, eine Medienkampagne gestartet zu haben, zurückzunehmen und sich für Ihr Verhalten insgesamt zu entschuldigen".

Damit gerät Hörmann kurz vor der Vollversammlung in Magdeburg, auf der die DOSB-Mitglieder über die umstrittene Spitzensportreform abstimmen, vermehrt unter Druck. Die Sprechergruppe der Spitzensportverbände hatte sich bereits schriftlich von Hörmann distanziert und dessen Vorgehen als "befremdlich" sowie als "diskriminierend" und "unpassend" gegenüber Weikert bezeichnet. Hörmann hatte Weikert schriftlich zum Verzicht seines Amtes bei der Trainerakademie aufgefordert, nach Darstellung des ITTF-Präsidenten ohne vorherige persönliche Absprache. Hörmann bestreitet dies.

Zuletzt war Hörmann wegen Äußerungen in der Bundespressekonferenz während der Vorstellung des Entwurfes zur Spitzensportreform am vergangenen Donnerstag kritisiert worden. Dort hatte er aus einem angeblichen "Manifest" von Sportlern zitiert, die der Reform laut Hörmann "zu 95 Prozent" zustimmten. Eine Befragung mit konkretem Bezug auf die Spitzensportreform hat es aber nie gegeben. Unter anderem mehrere Mitglieder der DOSB-Athletenkommission hatten Hörmann daraufhin scharf kritisiert.