Köln (SID) - Was steht an?

Die 13. Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) im Maritim Hotel in Magdeburg.

Was ist der wichtigste Tagesordnungspunkt?

Die Mitglieder stimmen über den Entwurf der Spitzensportreform ab, die "Sport-Deutschland" künftig bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften wieder zu mehr Medaillen verhelfen soll.

Wie soll das funktionieren?

Das Konzept ist extrem komplex, ein Mammutprojekt - im Kern aber simpel: Verbände, Disziplinen und Athleten mit dem größten Erfolgspotenzial sollen das meiste Geld erhalten. Wer wenig oder kein Potenzial auf Medaillen oder zumindest Finalplätze vorweist, bekommt nur noch wenig oder möglicherweise sogar gar keine Förderung mehr.

Wie wird die Abstimmung ausgehen?

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden die Delegierten grünes Licht geben, weil sich alle einig sind: Es muss sich etwas ändern. ABER: Die Reform ist dennoch heftig umstritten.

Was wird bemängelt?

Jede Menge. Schlechte Kommunikation, Eingriff der Politik in die Autonomie des Sports, Ungewissheit über das umstrittene Potenzialanalysesystem "PotAs", das die Verbände mithilfe von 20 "Attributen" in drei "Cluster" einordnen soll, Angst vor wirtschaftlichen Einbußen - die Probleme der Verbandsbosse mit der Reform sind vielschichtig. Auch die Tatsache, dass noch zwei Tage vor der Abstimmung keine Beschlussvorlage existierte, sorgte für Kritik. Schließlich ist auch die Finanzierung der Reform fraglich, denn die Geldgeber aus der Politik wollen erst Zusagen geben, wenn der Sport den Bedarf benannt hat.

Was hat es mit den drei Clustern auf sich?

Die Sportverbände werden von der "PotAs"-Kommission in drei Cluster eingeteilt. Im "Exzellenzcluster" finden sich "gut aufgestellte Sportarten/Disziplinen mit konkreten Medaillenpotenzial" wieder. Im "Potenzialcluster" werden die "Disziplinen im Mittelfeld der Bewertungen" eingeordnet. Sie erhalten schon signifikant weniger Fördergelder als die Stars im Topf eins. Das dritte Cluster hat keinen Namen, und dort will auch niemand landen. "Hier zugeordnete Disziplinen können grundsätzlich nicht mit einer dauerhaften Spitzensportförderung rechnen", heißt es im Konzept. Bevor ein Verband in diesem Cluster ganz von der Bildfläche verschwindet, soll eine "Basisförderung" greifen.

Wie geht es nach Samstag weiter mit der Reform?

Sollten die Mitglieder zustimmen, will sich im Frühjahr der Bundestag mit der Reform befassen. Viele Fragezeichen stehen auch noch hinter der Besetzung der "PotAs"-Kommission und der Machtverteilung in der Förder-Kommission. Dort sitzen Vertreter aus DOSB, Bund und Ländern, die letztlich - ggf. unter Hinzuziehung von Experten - über die Mittelvergabe entscheiden. 2017 und 2018 sollen Übergangsjahre sein, ab 2019 soll die Reform voll greifen und möglichst schon die Ergebnisse bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio positiv beeinflussen. Ein konkretes Medaillenziel für Tokio nennt im DOSB niemand. Lehnen die Mitglieder am Samstag ab, soll die Förderstruktur so bleiben, wie sie ist. Es wäre eine gewaltige Blamage für DOSB-Spitze und Innenministerium.

Was gibt es noch Wichtiges in Magdeburg?

Nicht viel, allerdings könnte es für DOSB-Präsident Alfons Hörmann ungemütlich werden. Wegen mindestens fragwürdiger Kommunikation auf zahlreichen Ebenen in den vergangenen Wochen und eines Streits mit Thomas Weikert, dem Präsidenten des Tischtennis-Weltverbandes, hat Hörmann "seinem Ansehen schweren Schaden zugefügt", wie es Leichtathletik-Präsident Clemens Prokop nannte. Zur Wiederwahl muss sich der DOSB-Boss in Magdeburg allerdings nicht stellen.