Barcelona (dpa) - Nach der Fußball-Lektion durch Lionel Messi und Co. trauten sich die gebeutelten Profis von Borussia Mönchengladbach nur zögerlich vor die Fankurve.

Doch vom Oberrang des Camp Nou bekamen sie zum Abschied von der Champions-League-Bühne trotz der besorgniserregenden Vorstellung beim 0:4 gegen den FC Barcelona lang anhaltenden Applaus von den rund 7000 mitgereisten Anhängern.

Die erstaunlich positive Grundstimmung könnte aber schon am Sonntag kippen. Dann steht der seit acht Bundesliga-Spielen sieglose Tabellen-13. gegen den FSV Mainz 05 (15.30 Uhr) mächtig unter Druck. Allen Beteiligten, die sich derzeit bestenfalls über die Europa-League-Zwischenrunde und das Pokal-Achtelfinale freuen konnten, ist das bewusst. "Wir haben eine beschissene Bundesliga-Saison gespielt, und trotzdem spielen wir am Sonntag gegen Mainz. Da versuchen wir, es besser zu machen. Die Qualität muss jetzt sein, die Leistung wieder abzurufen", sagte Sportdirektor Max Eberl.

Angesichts des "Schleudergangs", in den die Borussia laut Eberl gegen Barcelonas B-Elf um Weltstar Messi vor 67 157 Zuschauern geraten ist, stellt sich die Frage, wie die Spieler dieses Erlebnis verarbeiten. "Schütteln", "aufrichten" und "konzentriert das nächste Spiel angehen" (Eberl) klang banal. Romantisch war die Sicht des unter Druck stehenden Trainers André Schubert. "Aus diesen Spielen kann man lernen, was Positionsspiel, Gegenpressing und diese technische Qualität angeht", sagte er und fügte an: "Champions League war immer etwas, wo die Spieler sehen können, was Weltklasse ist."

Zu sehen war aber vor allem eines: wie tief den Borussia-Profis die sportliche Krise in den Köpfen steckt. "Zu ehrfürchtig" und "zu passiv" beschrieb der Coach die Spielweise seiner Elf, die phasenweise mit sechs Mann auf einer Abwehr-Linie gegen Barca verteidigte. 72 Prozent Ballbesitz hatte Barcelona im ersten Durchgang, 68 insgesamt. Die Borussia war am Ende mit dem 0:1 von Messi (16. Minute) und dem Hattrick von Arda Turan (50., 53., 67.) noch gut bedient.

"Es fehlt ein bisschen das Selbstvertrauen. Und das nicht nur einem Spieler, sondern der ganzen Mannschaft", sagte Stürmer André Hahn. Man hielt sich an den zum Teil guten Heimvorstellungen gegen Köln (1:2) und Hoffenheim fest (1:1). Hahn zeigte sich überzeugt, dass die Mannschaft um das Erfolgserlebnis "kämpfen" werde und sie auch "die Qualität" dazu habe.

Viele Verletzte erschwerten Schubert die Arbeit, der erst 27-jährige Alvaro Dominguez gab wegen Rückproblemen sein Karriereende bekannt. "Es ist traurig, weil er ein Leistungsträger war und eine Persönlichkeit ist. Beides fehlt uns momentan", sagte Schubert. Und auch der Abgang eines Schlüsselspielers wie Granit Xhaka zum FC Arsenal für 45 Millionen Euro wiegt schwer. Dass man nicht für adäquaten Ersatz sorgte, habe man laut Schubert "vielleicht ein bisschen unterschätzt". Sportchef Eberl schloss Nachbesserungen im Winter nicht aus. 

Gegen Mainz, in Augsburg und gegen Wolfsburg muss Schubert bis zur Winterpause dringend Erfolgserlebnisse einfahren. Sollte gegen Mainz kein Sieg gelingen, könnte die Geduld der Fans bald zu Ende sein. Schubert war sich bislang der Rückendeckung des Clubs sicher. "In unserem Verein herrscht absolute Ruhe. Es ist absolut top, wie bei uns zusammengearbeitet wird. Ich habe da auch überhaupt keine Probleme, dass es mal stürmisch wird", sagte der Coach.

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