Duisburg (SID) - Die Reform des deutschen Leistungssports hat auch für den in der Vergangenheit so erfolgreichen Deutschen Kanu-Verband (DKV) negative Konsequenzen. Wie der DKV am Dienstag mitteilte, wird die Stelle des zum 1. Februar ausscheidenden Cheftrainers Reiner Kießler wegen der Kürzung staatlicher Mittel nicht neu besetzt. Einige Aufgaben des Cheftrainers im Kanu-Rennsport soll künftig Sportdirektor Jens Kahl zusätzlich übernehmen. 

"Dass wir diese Position nicht neu besetzen können, macht uns natürlich große Sorge?, sagte DKV-Präsident Thomas Konietzko. Bereits in der Vergangenheit habe es Versuche internationaler und finanzkräftigerer Verbände gegeben, deutsche Trainer abzuwerben, weswegen sich der DKV zum Handeln gezwungen sah. "Um unseren Trainern unsere Wertschätzung zu zeigen, blieb uns nichts weiter übrig, als eine Stelle einzusparen und damit zumindest eine angemessene Gehaltsanpassung für die im Verband bleibenden Trainer zu sichern", sagte Konietzko.

Neuer leitender Bundestrainer für die Nationalmannschaft wird der bisherige Disziplintrainer der Kajak-Männer Arndt Hanisch, der aber auch weiterhin für das Training der Disziplingruppe verantwortlich sein wird. Alle anderen Bundestrainer verbleiben in ihren bisherigen Funktionen.   

Zudem kosten die Umstrukturierungen vier Nachwuchstrainer den Job. Konietzko begegnet der Situation kritisch: "Wenn wir nun Trainer, die das zukünftige Potenzial für sportlichen Erfolg unseres Verbandes sichern sollten, auf die Straße setzen müssen, ist jede weitere Diskussion über notwendige Veränderungen im deutschen Leistungssport sinnlos, solange nicht ausreichend Mittel zur Verfügung stehen, um optimale Leistungsvoraussetzungen in unserer Sportart und insgesamt im deutschen Sport zu schaffen."

Bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro war der DKV mit vier Goldmedaillen, zweimal Silber und einmal Bronze zum siebten Mal in Folge Deutschlands erfolgreichster Sommersportverband. Im Angesicht der Reform zeichnet Konietzko für die Zukunft jedoch ein düsteres Bild: "Mit dieser Perspektive wird es uns nicht mehr möglich sein, unsere Talente zu finden, zu fördern oder gar wie bisher in die Weltspitze zu bringen. Der Nachwuchs hat natürlich in unserer Planung einen ganz besonders hohen Stellenwert, die wir nun gefährdet sehen."

Die Spitzensportreform von Deutschem Olympischem Sportbund und Bundesinnenministerium sieht im Grundsatz vor, dass aussichtsreiche Verbände, Disziplinen und Athleten mehr, eher perspektivlose weniger Geld erhalten. Die Einsparungen bei den erfolgreichen Kanuten könnten deshalb ein problematisches Zeichen darstellen.