Rom (dpa) - Die Einsatzkräfte im verschütteten Hotel im italienischen Erdbebengebiet haben zwei weitere Überlebende ausgemacht. Acht Menschen lebten, berichteten die Nachrichtenagentur Ansa und der Sender Rai unter Berufung auf die Carabinieri.

Einige von ihnen seien bereits aus den Trümmern befreit worden und auf dem Weg ins Krankenhaus. Unter den Überlebenden ist ein kleines Mädchen. Das sagte der Vizeminister für Inneres, Filippo Bubbico. Ein Mensch sei bereits aus den Trümmern des Vier-Sterne-Hotels Rigopiano gerettet worden und bekomme ärztliche Hilfe, berichtete der TV-Sender RaiNews24.

Bei den anderen Überlebenden soll es sich um drei Männer und zwei Frauen handeln. Die Einsatzkräfte machten die Menschen am Freitagvormittag auf dem Dachboden des Hotels aus, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr hätten mehrmals mit ihnen gesprochen. Der erste Kontakt sei kurz nach 11.00 Uhr zustande gekommen.

Die Rettungskräfte hatten in der Nacht zum Freitag unvermindert nach Überlebenden der Katastrophe gesucht. Zunächst hatte von Dutzenden Gästen und Mitarbeitern noch jedes Lebenszeichen gefehlt. Nach Medienberichten vom Donnerstag wurden bisher vier Leichen geborgen, der Zivilschutz hatte zwei Tote bestätigt. Mindestens zwei Menschen hatten sich im Freien aufgehalten, als die Lawine über das Hotel hineinbrach und so überlebt.

Die gewaltige Lawine hatte am Mittwoch das Vier-Sterne-Hotel Rigopiano nach einer Erdbebenserie komplett verschüttet und Teile mitgerissen. Nach Aussage des Hoteldirektors waren bis zu 35 Menschen in dem Gebäude. Auch mehrere Kinder wurden vermisst. Das Rigopiano liegt auf 1200 Metern Höhe am Fuß des bis über 2900 Meter hohen Bergmassivs Gran Sasso. Es ist nur etwa 45 Kilometer von der Adriaküste entfernt. Auf seiner Facebookseite hatte es mit "Relax, Wohlsein und Unterhaltung im Schnee" geworben.

Die Retter hatten bereits gesagt, dass Überlebende theoretisch in diesen sehr schwierigen Wetterbedingungen überleben könnten, wenn sich irgendwo in dem weggefegten Hotel "Luftsäcke" gebildet haben.

In den Abruzzen hatte es seit Tagen geschneit, der Schnee lag zum Teil meterhoch. Augenzeugen sprachen von apokalyptischen Szenen am Unglücksort. Die Gäste hatten offenbar nach den vier schweren Erdbeben am Mittwoch abreisen wollen und bereits ausgecheckt. Es kam aber kein Fahrzeug durch, um sie mitzunehmen.

Der Chef der Bergwacht von Roccaraso, Lorenzo Gagliardi, sagte der Zeitung "La Repubblica", das letzte noch freie Stück Straße endete acht Kilometer vom Hotel entfernt. Die ersten Retter mussten sich in der Nacht zum Donnerstag auf Skiern zum Unglücksort vorkämpfen und kamen dort gegen 04.30 Uhr an. "Da war fast nichts mehr, nur ein weißer Hügel" erzählte Gagliardi. Dann habe man 50 Meter entfernt vom Hotel ein Auto mit laufendem Motor gesehen. Darin hätten sich die beiden Überlebenden verkrochen und mit der Autoheizung warm gehalten.

In der Abruzzenregion kommt die Erde seit dem schweren Beben vom August mit rund 300 Toten nicht zur Ruhe. Nach den neuen Erdstößen diese Woche wurden viele Bewohner von der Außenwelt abgeschnitten. Am Freitag wurden in Acquasante Terme nördlich von Amatrice sechs Menschen mit einem Hubschrauber in Sicherheit gebracht, wie Ansa meldete. Die älteste der Geretteten war eine Frau von 90 Jahren. In der gleichen Gemeinde wurde ein 25-jähriger Viehzüchter nach drei Tagen vom Heer aus dem Schnee gerettet. "Ihm geht es gut, aber die Tiere sterben", sagte Bürgermeister Sante Stangoni.

Statement Gentiloni, Italienisch

GFZ Info

Pressemitteilung Innenministerium, Italienisch

Infos zu den Erdbeben vom Geoforschungszentrum in Potsdam

Erdbebenwarte zur neuen Serie, Italienisch

Facebook Hotel Rigopiano

Infos zur Erdbebenfrequenz, Italienisch

Mitteilung Zivilschutz, Italienisch

Italienisches Innenministerium

Feuerwehr auf Twitter

Italienischer Zivilschutz

Lawinenunglücke: Einige Fälle aus Europa.

- Februar 1999: Riesige Lawinen stürzen über die Tiroler Urlaubsorte Galtür und Valzur in Österreich und verschütten Ferienwohnungen und Pensionen. Unter den 38 Opfern sind 21 Deutsche. Tausende Menschen werden aus dem Gebiet ausgeflogen.

- Februar 1999: Zwölf Menschen sterben, als in den französischen Alpen bei Chamonix eine 150 Meter breite Lawine niedergeht und 20 Berghütten mitreißt. 27 Menschen werden zum Teil schwer verletzt.

- Oktober 1995: Schneemassen begraben im Nordwesten Islands ein ganzes Fischerdorf. Orkanartige Herbststürme und heftiger Schneefall waren vorausgegangen.

- April 1970: Als eine gewaltige Lawine in der Nähe von St. Gervais in den französischen Alpen auf drei Gebäude eines Lungensanatoriums stürzt, sterben 79 Menschen, darunter 56 Kinder. Die Katastrophe überraschte die Patienten in der Nacht.

- Februar 1970: Eine Lawine erfasst ein Offiziersheim im Schweizer Kanton Wallis. Von rund 50 Verschütteten überleben 30 nicht.

- Mai 1965: Riesige Schneemassen lösen sich vom Südhang der Zugspitze, stürzen über ein Hotel und reißen zehn Gäste von der Terrasse in die Tiefe. Unter den zehn Toten sind neun Deutsche.