Frankfurt/London (dpa) - Formeller Schritt zur Rettung der umstrittenen Fusion: Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) haben den geplanten Verkauf der Sparte LCH.Clearnet SA der Europäischen Kommission jetzt formell vorgeschlagen.

Mit dem bereits angekündigten Geschäft soll wettbewerbsrechtlichen Bedenken begegnet werden, wie die beiden Börsenbetreiber mitteilten.

Am Dienstag laufe die Frist ab, Brüssel Vorschläge zur Abmilderung der Fusionsfolgen zu machen. Jetzt seien die EU-Wettbewerbshüter am Zuge, sie müssen die Marktteilnehmer befragen. Die beiden Unternehmen hatten den Verkauf der Pariser Abrechnungs- und Abwicklungstochter im Herbst 2016 vorgeschlagen. Anfang Januar teilten sie zudem mit, dass mit der Euronext schon ein möglicher Käufer bereit stehe.

Die Deutsche Börse und die LSE wollen den mit Abstand größten europäischen Börsenbetreiber schmieden. Die Behörden haben die Sorge, dass durch die Zusammenlegung sogenannter Clearinghäuser etwa bei Anleihegeschäften der Wettbewerb ausgeschaltet werden könnte. Die Clearingstellen sind zwischen den Vertragsparteien einer Transaktion angesiedelt und übernehmen das gegenseitige Ausfallrisiko. Dafür müssen Marktteilnehmer ihnen Sicherheiten zur Verfügung stellen.

Da der Hauptsitz des Unternehmens in London sein soll, ist die Fusion in Deutschland und vor allem Hessen umstritten. Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter hatte sich zuletzt davon unbeirrt gezeigt, das Vorhaben sei weit fortgeschritten. Kengeter selbst geriet wegen eines Aktiengeschäfts zehn Wochen vor Bekanntgabe der Fusionspläne ins Visier der Staatsanwaltschaft. Die Behörde ermittelt nach eigenen Angaben wegen möglichen Insiderhandels gegen einen Verantwortlichen des Unternehmens. Die Deutsche Börse hatte zuvor mitgeteilt, es werde gegen Kengeter ermittelt. Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück.