Köln (SID) - Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) schafft den umstrittenen Medaillenkorridor ab. Die breit gefächerte Prognose, die Verbänden und DOSB als Erfolgsmaßstab und Grundlage für Fördervereinbarungen diente, wird es für die Olympischen Spiele in einem Jahr in Pyeongchang nicht mehr geben. Dies bestätigte DOSB-Sportvorstand Dirk Schimmelpfennig dem SID.

"Ich gehe davon aus, dass wir das in diesem Jahr nicht machen", sagte Schimmelpfennig, der 2018 in Südkorea erstmals als Chef de Mission der deutschen Olympiamannschaft fungieren wird. Man werde mit den Verbänden die "Ziele aktualisieren. Für uns ist der Ansatz, dass man den Leistungssport nicht auf Medaillen reduzieren sollte."

Einen Widerspruch zur Zielstellung der neue Spitzensportreform, die vorgibt, "Erfolgspotenziale für Podiumsplätze ? zu erkennen und gezielter zu fördern", sieht Schimmelpfennig nicht. "Selbstverständlich bleibt es dabei, dass wir Medaillen gewinnen wollen. Aber wir freuen uns auch über Weltklasseleistungen, die sich im unmittelbaren Umfeld der Podestplätze bewegen, oder über Athleten, die ihre Bestleitung erreichen. Die Prognose einer Medaillensumme ist für den Erfolg der einzelnen Athletinnen und Athleten unerheblich."

Details einer Neuregelung werden noch erarbeitet. Schimmelpfennig bestätigte nur, dass für Pyeongchang "sicherlich das Ergebnis von Sotschi der Maßstab" sein werde.

Bei den Winterspielen 2014 rechnete der DOSB mit den Verbänden einen Zielkorridor von 27 bis 42 Medaillen aus, am Ende gewann die Mannschaft nur 19. In London 2012 wurde der Medaillenkorridor sogar zum Politikum, die Klage von Journalisten zwang den DOSB erstmals zur Herausgabe aller Zahlen. Die Vereinbarungen für London spiegelten nicht ansatzweise die Realität wider: 28 Olympiasiege und 86 Medaillen sah die Prognose in Summe vor, am Ende standen elf Olympiasiege und 44 Medaillen. 2016 in Rio wurde zumindest der untere Rand des Zielkorridors (42 bis 71 Medaillen) mit 42 Medaillen erreicht.

In Gesprächen mit den Verbänden im Mai wolle man sehen, "welche belastbaren und sinnvollen Aussagen wir treffen können", sagte Schimmelpfennig. 

Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, reagierte zurückhaltend. "Es ist schön zu hören, dass künftig zur harten Währung in den Zielvereinbarungen nicht nur die Medaillen zählen sollen", sagte Freitag dem SID: "Mit Blick auf die Vergangenheit fehlt mir allerdings der Glaube, dass dieses tatsächlich das letzte Wort ist. Zumal die Spitzensportreform eindeutig Medaillenpotenziale als klare Zielstellung definiert. Insofern bin ich sehr gespannt, wie der DOSB das in Zukunft handhaben will."