Hannover (dpa) - Wie der Held des Abends sah Martin Harnik nicht aus. Abgekämpft und nachdenklich wirkte Hannovers Stürmer, als er als Letzter in der 96-Kabine verschwand.

"Das ärgert mich einfach, dass ich den verschossen habe", sagte der Stürmer zu seinem unplatzierten Elfmeter in der 73. Minute. Dass er beim mühevollen Kampf um die Rückkehr in die Fußball-Bundesliga unentbehrlich ist, hat Harnik beim 2:1 (1:1) gegen den VfL Bochum trotzdem bewiesen.

Harnik machte den Unterschied, wieder einmal. Auch wenn er einen dritten Treffer bei seinem zweiten Strafstoß vergab und es dadurch "nochmal sehr spannend und hektisch" wurde. Mit seinen Treffern neun und zehn (45., 63./Foulelfmeter) dieser Zweitligasaison hatte er zuvor dafür gesorgt, dass Hannover trotz dürftiger Vorstellung als Zweiter hinter dem VfB Stuttgart gut im Aufstiegsrennen liegt.

"Man sieht seine Klasse", lobte Mitspieler Marvin Bakalorz. "Er ist ganz wichtig für uns. Er tut uns sehr, sehr gut." In einer Liga, in der laut Bakalorz "jeder kämpfen, beißen, spucken" kann, überzeugt Harnik auch fußballerisch. Der österreichische Nationalspieler zeigt auch bei höherem Tempo eine Ballkontrolle und Treffsicherheit, die in der nominell gut besetzten 96-Mannschaft heraussticht.

Ein passender Sturmpartner wird noch gesucht. Trainer Daniel Stendel versuchte es zuletzt mit Niclas Füllkrug, Kenan Karaman und gegen Bochum mit Artur Sobiech. Gerade im Vergleich zu diesen Nebenleuten wird Harniks Klasse deutlich.

Der 29 Jahre alte Angreifer ist einer der wenigen Spieler im 96-Kader, denen derzeit auch die Erstliga-Tauglichkeit attestiert werden kann. Sollte Hannover die Rückkehr schaffen, benötigt die Mannschaft ganz dringend Verstärkungen. Zu viele 96-Profis haben schon in der 2. Liga Probleme. Vor allem auf den Außenverteidiger-Positionen hat der Absteiger immer wieder Aussetzer. "Kein Kommentar", lautete die vielsagende Antwort von Trainer Daniel Stendel auf die Frage nach Oliver Sorg und Edgar Prib.

"Wir haben nicht so in unser Spiel gefunden", sagte Harnik. Es gab schon Pfiffe, ehe der Österreicher die "kippende Stimmung" mit seinem ersten Treffer zum Ausgleich beruhigte. Das Publikum in Hannover ist nur mit dem Tabellenplatz vor dem Erzrivalen Eintracht Braunschweig zufrieden, der am Ende den Aufstieg bedeuten dürfte. Die Mängel im Spiel sind für gute Laune zu offensichtlich.

"Wir wissen schon, dass wir spielerisch etwas drauflegen müssen, das wollen wir auch, und das werden wir auch tun", sagte der Matchwinner vor dem kommenden Spiel in Dresden. Wahrscheinlicher ist indes, dass Hannover weiterhin auf Einzelaktionen und Tore von Harnik angewiesen ist.

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