Wiesbaden/Luxemburg (dpa) - Die deutsche Wirtschaft hat Ende 2016 zu altem Schwung zurückgefunden. Nach einer Delle im Sommer zog die Wirtschaftsleistung von Oktober bis Dezember um 0,4 Prozent gegenüber dem dritten Quartal an, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.

Beflügelt vom Konsum und vom Bauboom wuchs Europas größte Volkswirtschaft damit so stark wie der Euroraum insgesamt. Im dritten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) lediglich um 0,1 Prozent gestiegen.

Im Gesamtjahr stand ein kräftiges Plus von 1,9 Prozent. Es war das stärkste Wachstum seit fünf Jahren. Für dieses Jahr sind Ökonomen zuversichtlich, sie sehen allerdings hohe politische Unsicherheiten.

"Das gute vierte Quartal setzt den Schlusspunkt hinter ein dynamisches Jahr 2016. Deutschland ist spürbar schneller gewachsen als im langfristigen Durchschnitt", erklärte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Viele internationale Turbulenzen seien wegen der starken Binnenwirtschaft kaum auf Deutschland durchgeschlagen.

Abgehängt wurde Europas Konjunkturlokomotive zum Jahresende unter anderem von Spanien (plus 0,7 Prozent) und den Niederlanden (plus 0,5 Prozent). Im Gesamtjahr wuchs das BIP in den Niederlanden kräftig um 2,1 Prozent. Die Regierung kann gute Nachrichten rund vier Wochen vor der Parlamentswahl gebrauchen. Bei jüngsten Umfragen erzielte der EU-feindliche Rechtspopulist Geert Wilders Bestwerte.

Die französische Wirtschaft gewann vor dem Wahljahr ebenfalls an Schwung und legte Ende 2016 um 0,4 Prozent zu. Im Euro-Krisenland Griechenland sowie in Finnland schrumpfte die Wirtschaft dagegen.

In Deutschland trugen nach vorläufigen Daten der Statistiker die Kauflust der Bundesbürger und die Ausgaben des Staates, auch für die Unterbringung Hunderttausender Flüchtlinge, maßgeblich zum Wachstum Ende 2016 bei. Der Staat habe seine Konsumausgaben deutlich erhöht, die privaten Haushalte noch einmal leicht, erklärte die Behörde.

Vielen Verbrauchern sitzt das Geld locker, weil Sparen kaum noch mit Zinsen belohnt wird. Die niedrige Inflation erhöht die Kaufkraft zusätzlich - auch wenn die Teuerung zuletzt wegen gestiegener Energiepreise zuletzt auf 1,9 Prozent anzog. Auch der anhaltende Immobilienboom sorgte für Schwung.

Obwohl Deutschlands Exportwirtschaft 2016 das dritte Rekordjahr in Folge hingelegt hatte, bremste der Außenhandel nach vorläufigen Berechnungen das Wachstum. Die Importe stiegen deutlich stärker als die Ausfuhren.

Im Vorjahresvergleich legte das preisbereinigte BIP von Oktober bis Dezember um 1,2 Prozent zu. Für dieses Jahr hat die deutsche Wirtschaft nach Angaben der Statistiker bereits ein Plus von 0,5 Prozent sicher, selbst wenn sie in allen vier Quartalen nicht weiter wachsen sollte.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer erwartet für die ersten drei Monate 2017 allerdings "ein ordentliches Plus" von 0,6 Prozent gegenüber dem vierten Quartal.

Wesentliche Stütze der deutschen Konjunktur in diesem Jahr dürften die Ausgaben des Staates und kauffreudige Verbraucher bleiben. Sorgen bereiten Ökonomen die Abschottungspläne von US-Präsident Donald Trump. Sie befürchten Einbußen für den Wohlstand, sollte der Republikaner seinen Anti-Globalisierungs-Kurs voll umsetzen. Auch der geplante Austritt Großbritanniens aus der EU (Brexit) verunsichert.

Finanzexperten betrachten die Konjunkturentwicklung Deutschlands bereits skeptischer. Der entsprechende Indikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sank im Februar.

Nach Einschätzung der BayernLB startet die Währungsunion zwar in solider Konjunkturverfassung ins Jahr 2017. "Das Fahrwasser wird allerdings deutlich schwieriger".

Statistisches Bundesamt zu Bruttoinlandsprodukt

Deutsches BIP preisbereinigt seit 2007

Eurostat zu BIP im Euroraum

Herbst-Gutachten der EU-Kommission

Monatsberichte Bundesbank

Ifo-Geschäftsklima

DIW-Konjunkturprognose

GfK zu Konsumklima

Jahresgutachten 2016/2017 Sachverständigenrat

Mitteilung EU-Kommission

Winter-Gutachten der EU-Kommission

Bundesamt zu BIP Q4/2016

Mitteilung Eurostat (englisch)