Grasse (dpa) - Ein Schüler mit mehreren Waffen hat in einem französischen Gymnasium das Feuer eröffnet und den Schulleiter sowie mehrere Mitschüler verletzt.

Es handele sich augenscheinlich um "die irre Tat eines fragilen jungen Mannes, der von Schusswaffen fasziniert war", sagte Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem. Die Schüsse fielen heute im Alexis-de-Tocqueville-Gymnasium der Stadt Grasse im Südosten des Landes. Der nach unterschiedlichen Quellen 16 oder 17 Jahre alte Angreifer wurde festgenommen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft deutet nichts auf einen Terrorakt hin. Das Motiv des Jugendlichen scheine mit seinem schlechten Verhältnis zu anderen Schülern zusammenzuhängen, sagte Staatsanwältin Fabienne Atzori.

Der Jugendliche hatte eine Schrotflinte, mehrere Handfeuerwaffen und eine ungefährliche Trainingsgranate bei sich. Möglicherweise habe er auch einen Sprengsatz gebastelt, dies müsse aber noch überprüft werden, sagte die Staatsanwältin. Laut Innenministerium gab er die Schüsse mit dem Gewehr ab. Den Sicherheitsbehörden war der Festgenommene nach ersten Angaben bislang nicht bekannt.

Die Schussverletzungen seien glücklicherweise nicht sehr schwer, erläuterte Vallaud-Belkacem. Über die Zahl der Opfer gab es unterschiedliche Angaben: Vallaud-Belkacem sprach von vier direkt Verletzten und zehn weiteren Schülern, die entweder unter Schock stehen oder im Gedränge nach den Schüssen verletzt wurden. Die Staatsanwältin nannte zehn Opfer, drei davon unter Schock. Einige hätten erst zu Hause gemerkt, dass sie von Schrotkugeln getroffen worden seien.

"Das ist ein Schock für die ganze Stadt Grasse", sagte Bürgermeister Jérôme Viaud. Viel Lob gab es für das Verhalten des Schulleiters: Als der Jugendliche auf einen Mitschüler schoss, habe er sich in den Weg gestellt, sagte die Staatsanwältin. Dabei wurde der Schulleiter von einer Kugel am Arm getroffen. Vallaud-Belkacem bezeichnete sein Verhalten als "heldenhaft". "Das Schlimmste ist uns erspart geblieben", sagte die Ministerin.

Zunächst hatte der Vorfall Sorgen geschürt, dass es sich um einen Terrorakt handeln könnte. Das Innenministerium verschickte eine Anschlagswarnung über eine Handy-App, eine Anti-Terror-Einheit der Polizei wurde an die Schule geschickt. In allen Schulen von Grasse wurden nach den Schüssen Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, die Schüler durften die Einrichtungen zunächst nicht verlassen. In Frankreich gilt nach einer Reihe von Anschlägen der Ausnahmezustand.

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