Washington (dpa) - Wie würde er sie wohl begrüßen? Viel war vor dem Besuch Angela Merkels bei Donald Trump spekuliert worden. Würde der US-Präsident auch den Arm der Kanzlerin an sich heranreißen, so wie bei anderen hohen Gästen im Weißen Haus? 

Ihr vielleicht sogar einen Begrüßungskuss auf die Wange geben? Gemessen an all dem Kopfkino hätte die Begrüßung im echten Leben in Washington kaum normaler verlaufen können.

Ein Händedruck, freundlich und sachlich. Augenkontakt. Leichtes Schwenken zu den wartenden Fotografen, Lächeln in die Kameras. Als sich die beiden zur Eingangstür wenden, legt Trump Merkel leicht die Hand auf den Rücken. Alles normal, alles Protokoll.

Trump hatte nach seiner Amtsübernahme mitunter bemerkenswerte Begrüßungsrituale an den Tag gelegt. Japans Premier Shinzo Abe schüttelte er endlose 19 Sekunden die Hand. Seinen Kandidaten für den Obersten Gerichtshof, Neil Gorsuch, riss er mit heftigem Händerütteln förmlich an sich.

Ob Vize Mike Pence oder Außenminister Rex Tillerson: Gerne zieht Trump den Arm des Gegenübers ruckartig und sehr mächtig an sich, gerne tätschelt er auch etwas großväterlich anderleuts Handrücken. Als Großbritanniens Premier Theresa May im Weißen Haus war, hielten sich die beiden im Säulengang an der Hand.

Dabei ist Trump, der sich angeblich sehr vor Bakterien und Ansteckungen fürchtet, das Händeschütteln als solches eigentlich zutiefst suspekt. Der "Washington Post" sagte er, es sei ein Fluch der amerikanischen Gesellschaft.