Nizza (dpa) - In Deutschland gehört A.R. Penck zu Künstlern, die die zeitgenössische Malerei beeinflusst haben. In Frankreich ist der gebürtige Dresdner weniger bekannt. Die Retrospektive, die ihm nun die Fondation Maeght in der Nähe von Nizza widmet, kann man deshalb als ein Ereignis bezeichnen.

Die Vernissage fand ohne den Künstler statt, der heute in Irland lebt. Der 77-Jährige sei krank, wie das Museum mitteilte. Gezeigt werden bis zum 18. Juni etwa 100 Werke, darunter Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen.

Wegen der Erkrankung lief auch die Organisation der Schau ohne Penck. Man habe viel über Internet kommuniziert, sagte Olivier Kaeppelin, der Leiter der Stiftung in Südfrankreich. An der Vorbereitung der Retrospektive wirkte deshalb Michael Werner mit. Der Kölner Galerist hat Penck entdeckt. Ende der 60er-Jahre stellte er ihn auch erstmals aus.

Gezeigt werden in der Fondation Maeght Arbeiten aus mehr als 50 Jahren künstlerischen Schaffens, darunter auch eines von Pencks ersten Werken - "Folterung" aus dem Jahr 1955. Das Ölgemälde zeigt einen nackten Mann, der auf einer Art Sprungbock liegt. Mehrere Männer um ihn herum peinigen ihn. Das Bild ist eine Leihgabe der Städtischen Galerie Dresden. Penck wurde 1939 in der Stadt geboren, bevor er 1980 aus der DDR ausgebürgert wurde und in den Westen übersiedelte.

Die jüngsten Bilder, die gezeigt werden, fertigte der Künstler zwischen 2010 und 2013. Es sind farbenkräftige in Rot, Schwarz und Weiß gehaltene abstrakte Malereien, sie gleichen einer wilden, fröhlichen Partitur. Die Arbeiten sind in seinem Atelier in Dublin entstanden und spiegeln Pencks Leidenschaft für Musik wider, vor allem für Free Jazz und Jazz Rock. Sie bringen die Seelen-Stimmung eines Künstlers zum Ausdruck, der mit sich und der Welt wieder mehr im Reinen zu sein scheint. Die Totenköpfe und Maschinengewehre sind verschwunden, sie charakterisieren seine Frühwerke.

Penck ist mit seiner Bildsprache aus Strichmännchen mit erigierten Penissen,  Kreuzzeichen, Totenköpfen und beißenden Hunden bekannt geworden. Eine Zeichenkunst, mit der er die damalige Trennung der beiden deutschen Staaten thematisiert und die Suche des Individuums nach einer freien Gesellschaft. Seine Strichfiguren-Sprache erinnert an den Graffiti-Künstler Jean-Michel Basquiat (1960-1988). Dem afroamerikanischen Künstler widmete er eine Hommage in Form eines großformatigen Triptychons, das prominent in der Fondation ausgestellt ist.

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