London (dpa) - Mit Theresa May (60) möchte so schnell wohl niemand tauschen. Die britische Premierministerin hat einen riesigen Berg an Problemen zu bewältigen: die Scheidung von der EU, den Ärger mit den nach Unabhängigkeit strebenden Schotten und die Sorgen um die zerstrittenen Nordiren.

Und dennoch behält sie stets die Haltung. Typisch britisch eben: Keep a stiff upper lip, bewahre die Haltung.

Ob beim Treffen mit dem US-Präsidenten Donald Trump oder nach dem Terroranschlag von London - sie verzieht kaum eine Miene. Die Menschen in Großbritannien würden Terror niemals nachgeben, das Leben werde wie gewohnt weitergehen, sagte May wenige Stunden nach der Terrorattacke vor einer Woche mit fünf Toten und etwa 50 Verletzten. "Morgen früh wird das Parlament zusammentreten wie immer." Basta.

Schon als May im vergangenen Juli zur Premierministerin gewählt wurde, beeindruckte die konservative Politikerin mit ihrer Entschlossenheit. "Brexit heißt Brexit. Und wir machen einen Erfolg daraus", sagte sie zum geplanten EU-Austritt ihres Landes.

Doch in den Folgemonaten wurde die 60-Jährige auch sehr oft als Zauderin wahrgenommen, die rhetorisch geschickt wenig Inhalt in viel Verpackung hüllt, gerade beim Thema Brexit. So erschien ein Foto von ihr auf dem Titelblatt des Magazins "Economist". Überschrift: "Theresa Maybe" - "Theresa Vielleicht".

Seit 2010 war sie Innenministerin in zwei Regierungen von David Cameron und hatte schwierige Themen zu verantworten: Einwanderung, Terrorabwehr, Überwachung, Polizei, Kindesmissbrauch. Kaum jemand hielt sich zuvor so lange auf diesem Posten. Von Mitarbeitern wird sie als unaufgeregt, ehrgeizig und beharrlich beschrieben.

Im Anlauf zum Brexit-Referendum schlug sie sich auf die Seite von Camerons Pro-EU-Lager, blieb aber EU-kritisch und hielt sich aus den Querelen weitgehend heraus. Das machte sie zur idealen Kompromisskandidatin für die zerstrittenen Lager der Konservativen.

May hat einige Gemeinsamkeiten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Beide sind Pastorentöchter und seit vielen Jahren verheiratet, aber kinderlos. Und wie die Kanzlerin redet May wenig über sich selbst. Etwas mehr Selbstdarstellung wagt sie bei der Wahl ihrer Schuhe.

Dabei steht sie unter ständiger Beobachtung der Öffentlichkeit. Oft wird die Auswahl ihres Schuhwerks politisch gedeutet - mal verkörpert sie demnach Aufbruchstimmung, mal Kampflust. In schwarzen, oberschenkellangen Lackstiefeln empfing sie 2015 den mexikanischen Präsidenten Enrique Peña Nieto und machte vor der anwesenden Queen einen Hofknicks. "Ihr Stil ist eine Mischung aus strenger Schuldirektorin und Domina", lästerte damals eine Boulevardzeitung.

Sie bevorzugt knallige Farben oder Leopardenfellmuster. Auch beim ersten Treffen mit Merkel trug sie ein paar Schuhe mit wildem Tiermuster. Ballerina-Schuhe mit pinkfarbenen Kussmündern zog sie bei einem Presse-Empfang in der Downing Street an. Die Rolle des Stilberaters übernimmt ihr Ehemann Philip. Er sei beim Shopping ihr Begleiter und er habe ein gutes Auge für Accessoires, berichtete May.