Berlin (SID) - Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sind wegen angeblich mangelnder Transparenz und Diskussionskultur von Transparency International scharf kritisiert worden. Die Organisation zur Bekämpfung von Korruption machte ihre Haltung in einer Stellungnahme für den Sportausschuss des Deutschen Bundestages deutlich.

"International hat sich im Sport einiges getan, aber auf nationaler Ebene hinken wir deutlich hinterher", sagte Sylvia Schenk dem SID. Die Leiterin der Arbeitsgruppe Sport bei Transparency International attestierte dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und dem Fußball-Weltverband FIFA Bemühungen um Reformen. "Vielleicht kriegen wir es mit Hilfe des Sportausschusses hin, dass die deutschen Verbände nachziehen", so Schenk.

In dem von Schenk verfassten Schreiben wurde der DFB für seine Maßnahmen als Reaktion auf die Missstände um die Vergabe der Fußball-WM 2006 zunächst gelobt. Auch die Tatsache, dass die neu gegründete Ethik-Kommission mit zwei Personen von außen besetzt wurde, stieß auf Zustimmung. Allerdings habe der DFB-Präsident Reinhard Grindel die Personen "höchstpersönlich ausgewählt" und diese den Delegierten "erst unmittelbar vor der Wahl" vorgeschlagen. Das entspreche nicht den Erwartungen an eine wirklich unabhängige Besetzung, schrieb Schenk.

Dem DOSB machte die Organisation vor allem bei der Reform zur Spitzensportförderung Vorwürfe. Hier seien "Transparenz und Partizipation, das heißt, zwei wesentliche Elemente von Good Governance, völlig vernachlässigt" worden. Dies zeige, "wie sehr es im deutschen Sport in der Praxis noch an einer offenen Diskussionskultur und tatsächlichen Beteiligung mangelt", hieß es.

Özcan Mutlu, Vertreter der Grünen im Sportausschuss, schloss sich der Meinung an. "Die Kritik von Transparency International, dass die Spitzensportreform vollkommen intransparent, ohne ausreichende öffentliche Debatte durchgeführt wurde, überschneidet sich vollständig mit unserer eigenen Kritik, die wir seit Monaten mantraartig wiederholen", sagte Mutlu dem SID.

Gleiches gelte, so der Grünen-Politiker, für die Transparenz beim DFB. Der Freshfields-Bericht zur Aufklärung der Vorfälle um die Bewerbung der Fußball-WM 2006 sei ein Verschleierungs- und kein Aufklärungsbericht. "BMI, DOSB und DFB müssen in Sachen Good Governance dringend nachsitzen", so Mutlu.

Kritisiert wurde der deutsche Sport von Transparency International auch bezüglich der Einhaltung von Menschenrechten. In dem Punkt seien "keine eigenen politischen Initiativen, die über Einzelreaktionen - z.B. kritische Äußerungen anlässlich der Europäischen Spiele in Baku nach öffentlichem Druck - ... hinausgehen, erkennbar." Deutlich werde das daran, dass der DOSB zwar mit Menschenrechtsorganisationen über Baku gesprochen habe, "in seinem Jahresbericht 2015 dann aber nur die sportlichen Aspekte dieser Veranstaltung im Rahmen einer positiven Bewertung auflistet".