Berlin (dpa) - Für das Antennenfernsehen in Deutschland ist eine neue Zeitrechnung angebrochen. In der Nacht zum Mittwoch wurde der terrestrische Empfang auf den neuen Standard DVB-T2 umgestellt.

Es sei alles planmäßig gelaufen, sagte Franz Schulz, der als Technikchef des verantwortlichen Plattformbetreibers Media Broadcast den technischen Ablauf begleitet hat. Über 350 Sender seien in 60 Standorten auf das hochauflösende HD-Signal umgeschaltet worden. Über 260 Mitarbeiter seien in der Nacht durchgehend im Einsatz gewesen. Die Aktion sei "in der deutschen Rundfunkgeschichte einmalig".

Nach den Informationen von Media Broadcast ist es am Mittwoch nach der Umstellung nicht zu schwarzen Bildschirmen gekommen. Die Aktion sei wie geplant und ohne Probleme verlaufen, sagte ein Sprecher. Ab 12 Uhr Mittag sollten die Kunden für den Empfang einen Sendersuchlauf an ihren Fernsehern beziehungsweise Settop-Boxen starten. Danach sind die verschlüsselten Privatsender empfangbar. Die Entschlüsselung könne in Einzelfällen jedoch bis zu zwei Stunden dauern, so der Sendernetz- und Plattformbetreiber.

Auch aus Sicht von Ulrich Liebenow, dem Vorsitzenden der Technik-Kommission von ARD und ZDF, ist die Umstellung "sehr erfolgreich" gewesen. "Wenn es heute Anrufe gegeben hat, dann von Leuten, die das Signal bereits empfangen haben."

Mit dem neuen Standard DVB-T2 lassen sich über das terrestrische TV-Signal erstmals Hunderte Sender in hoher Auflösung (HD) empfangen. Der Empfang der privaten Sender wird spätestens ab Juli allerdings kostenpflichtig sein. Für Freischaltung und Abrechnung bietet die Media Broadcast-Tochter FreenetTV entsprechende Settop-Boxen und Einsteckmodule.

Inzwischen seien eine Million entsprechender Geräte mit grünem FreenetTV-Logo verkauft worden, sagte Wolfgang Breuer, der Chef von Media Broadcast. Technik-Chef Schulz schätzt, dass sich viele Nutzer allein wegen der jetzt empfangbaren exzellenten Bildqualität für das neue Antennenfernsehen entscheiden werden.

Wie viele derzeit bereits DVB-T2-kompatible Fernseher oder Settop-Boxen gekauft haben, ist nicht exakt zu sagen. "Alle Zahlenangaben dazu sind Schätzungen", betont Ulrich Liebenow. Ein solcher Wechselprozess sei aber immer eine Möglichkeit, sich auch für andere Verbreitungswege zu entscheiden. Es sei allerdings genauso denkbar, dass viele, die DVB-T nicht genutzt hätten, nun auf den neuen Standard umschwenkten.

Von der aktuellen Umstellung sind in Deutschland 3,4 Millionen Haushalte betroffen, über eine Million davon empfangen auch an ihrem Hauptgerät das Signal über Antenne. In den vergangenen Wochen wurden sie über eingeblendete Werbebanner am Fernsehbildschirm über den Umstieg informiert.

Flächendeckend ist die Umstellung auf DVB-T2 aber noch nicht durch. Bundesweit soll das erst Anfang 2019 so weit sein, sagte Liebenow. Bis dahin müssen noch zahlreiche Sendeanlagen folgen. Die nächste Phase kommt im November. Auf einen Schlag von Flensburg bis Garmisch wäre das realistischerweise gar nicht möglich. "Dahinter steckt eine komplizierte Frequenzenumsortierung."