Essen (SID) - Wissenschaftler Simon Krivec sieht die Leistungssportreform des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) beim Thema Doping als problematisch an. "Ein Athlet, der im Vergleich zu international erzielten Ergebnissen hinterherhinkt, wird sich fragen, ob er nicht doch unterstützende Mittel oder Maßnahmen benötigt", sagte Krivec den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Die stark nach Erfolgen und Medaillen ausgerichtete Reform habe ihre Tücken. "Wenn im Zuge der Leistungssportreform vorrangig die potenzielle Medaillenchance über eine Athletenförderung entscheide, bleibe die Frage: 'Wie groß ist der Anreiz, alles dafür zu tun, zu den Besten zu gehören?'" 

In der Doktorarbeit des Pharmazeuten Krivec (Krefeld) hatten 31 bundesdeutsche Leichtathleten zugegeben, in den sechziger, siebziger und achtziger Jahren anabole Steroide genommen zu haben. Sechs Ex-Sportler hoben für die Doktorarbeit ihre Anonymität auf, darunter die ehemaligen Diskuswerfer Alwin Wagner und Klaus-Peter Hennig. Generell glaubt Krivec nicht an eine komplette Lösung des Dopingproblems. "Solange es Leistungssport gibt, wird es auch Doping geben", sagte der 29-jährige.