Düsseldorf (SID) - Der frühere Doppel-Champion Jörg Roßkopf sieht vor der Tischtennis-WM in Düsseldorf (29. Mai bis 5. Juni) auch für den Fall eines Titelgewinns für die Gastgeber kaum Chancen auf einen neuen Boom für seinen Sport in Deutschland. Aus Sicht des heutigen Herren-Bundestrainers lässt sich ein Aufschwung wie nach seinem sensationellen WM-Triumph 1989 im Doppel bei der Heim-WM mit Steffen Fetzner aufgrund veränderter Rahmenbedingungen nicht wiederholen.

"Jeder kennt inzwischen Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov und weiß, dass beide um Titel mitspielen. Das Besondere ist einfach nicht so da wie damals", begründete Roßkopf in einem Interview mit dem Online-Portal mytischtennis.de seinen Standpunkt. 

Vor 28 Jahren in Dortmund, als Roßkopf und Fetzner als absolute Außenseiter den ersten und bislang einzigen WM-Titel des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) in der Nachkriegsgeschichte gefeiert hatten, sei die Ausgangslage anders gewesen: "Wir mussten uns vorher ja null komma null Gedanken über irgendeine Medaille machen, egal wo, es waren überall null Chancen. Es ging eigentlich nur darum, unsere Sportart in Deutschland zu präsentieren. Dass am Ende auch noch zwei Deutsche Weltmeister werden, hat natürlich perfekt hineingepasst. Mit uns hatte keiner gerechnet."

In den Jahren nach dem Titeltriumph von "Rossi" und Speedy" stiegen Mitgliederzahlen, TV-Zeiten und Sponsoreninteresse in Deutschland signifikant an, avancierte die Bundesliga zur zugkräftigsten Klasse außerhalb Chinas und initiierte der DTTB zahlreiche hochklassige Events mit internationalen Stars. Roßkopf: "Bis Dortmund 1989 war Tischtennis in einem Tiefschlaf. Wir haben den Sport erst aufgeweckt."

In Düsseldorf bestehen für die DTTB-Aktiven zumindest mehrere Möglichkeiten auf eine Medaille. Im Einzel sind jedoch auch der Weltranglistenfünfte Dimitrij Ovtcharov (Hameln/Orenburg) und EM-Rekordchampion Timo Boll (Düsseldorf) angesichts der Übermacht Chinas nur chancenreiche Außenseiter.

Bessere Aussichten wenigstens auf eine Podestplatzierung bestehen in den Doppel-Konkurrenzen - vor allem durch die Paarung mit chinesischen Topspielern. Boll gehört mit Olympiasieger und Weltmeister Ma Long zum engeren Favoritenkreis, und die Team-Olympiazweite Petrissa Solja (Berlin) gilt im Mixed mit dem WM-Zweiten Fang Bo ebenfalls zu den Kandidaten auf Titel.