Berlin (SID) - Was ist passiert?

Die ARD-Dopingredaktion berichtete am Sonntag von mehreren auffälligen Dopingproben bei Nachtests der Olympischen Spielen in Peking 2008. Dabei sollen geringe Mengen des Dopingmittels Clenbuterol gefunden worden sein. Unter anderem seien davon auch die in Peking äußerst erfolgreichen jamaikanischen Sprinter um Superstar Usain Bolt betroffen. Bei welchen Athleten es allerdings konkret Auffälligkeiten gab, ist nicht bekannt. Sanktionen gab es nicht.

Was sagt das Internationale Olympische Komitee?

Das IOC gab zu, dass bei den Sommerspielen 2008 bei "mehreren Athleten aus mehreren Ländern und mehreren Sportarten sehr niedrige Clenbuterol-Werte", nachgewiesen wurden. Die Ergebnisse habe man der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) gemeldet. Diese habe dann nach "sorgfältiger Prüfung" entschieden, die Fälle nicht weiter zu verfolgen. Der Grund: Es habe keine "signifikanten Hinweise" auf Clenbuterol-Missbrauch gegeben. Die auffälligen Werte seien auch durch verunreinigtes Fleisch zu erklären. Zudem habe man die Proben der entsprechenden Athleten von den Spielen 2012 in London ebenfalls nachgetestet und in Rio Zielkontrollen durchgeführt.

Wie reagiert die WADA?

Die WADA verteidigte ihr Vorgehen. Es habe "Hunderte" ähnliche Fälle gegeben. Auch dort seien keine Verfahren eröffnet worden. Sie hätten nur geringe Aussichten auf Erfolg, zudem seien sie unfair gegenüber den betroffenen Athleten. "Die Anti-Doping-Gemeinschaft sieht es als unverhältnismäßig an, dass ein Athlet beispielsweise nach acht Jahren beweisen müsse, dass das von ihm konsumierte Fleisch verunreinigt war", sagte Olivier Niggli. Allerdings gab die WADA auch zu, wie unbefriedigend die Situation sei. Noch immer gibt es keine Möglichkeit durch Analysen herauszufinden, ob Clenbuterol über verunreinigtes Fleisch aufgenommen wurde.

Ist die These von verunreinigtem Fleisch glaubhaft? 

Das kann durchaus sein. Schon länger ist die Gefahr von verunreinigtem Fleisch bekannt, vor allem in China. Deshalb gab es im Olympischen Dorf 2008 strenge Sicherheitskontrollen bei Lebensmitteln. Es ist aber durchaus möglich, dass Athleten außerhalb des Olympischen Dorfes - entgegen dringender Warnungen - verunreinigtes Fleisch gegessen haben.

Aber?

Es gibt auch eine andere Theorie: Der ehemalige Dopingdealer Angel Heredia erklärte der ARD-Dopingredaktion, dass er im Vorfeld der Spiele 2008 von jamaikanischen Trainern auf die richtige Verwendung von Clenbuterol angesprochen worden sei. Heredia ist "hundertprozentig" sicher, dass die Jamaikaner Clenbuterol zu Dopingzwecken eingesetzt hätten.

Wie lautet die Kritik am Vorgehen von IOC und WADA?

Kurz gesagt: Dass überhaupt keine konkrete Untersuchung der einzelnen Fälle stattgefunden habe. Und, dass erst nach Recherchen der ARD-Dopingredaktion öffentlich wurde, dass das Fallenlassen von Clenbuterol-Fällen offenbar gängige Praxis ist. "Wir brauchen eine robuste und konsequente Aufarbeitung solcher Fälle, um eine Glaubwürdigkeit im System zu haben", sagte NADA-Vorstand Lars Mortsiefer: "Ein Ergebnis zu bekommen, es automatisch mit möglicher Fleischkontamination in Zusammenhang zu bringen und dann den Fall einfach zu schließen, reicht nicht aus."