Berlin (SID) - Nach Ansicht von Wissenschaftler Simon Krivec war Anabolika-Doping auch im westdeutschen Sport allgegenwärtig. "Für die Athleten haben Anabolika zum Alltag gehört. Vielleicht nicht, weil alle etwas genommen haben, aber sie waren damit beispielsweise durch Konkurrenten bei Wettbewerben konfrontiert", sagte Krivec dem SID: "In den 'Anabolika-Sportarten' mussten sich die Athleten die Frage stellen: Will ich internationalen Erfolg? Dann kam man nicht drumherum."

In der Doktorarbeit des Krefelder Pharmazeuten, die am Montag als Buch erschien, haben 31 bundesdeutsche Leichtathleten zugegeben, in den sechziger, siebziger und achtziger Jahren anabole Steroide genommen zu haben - die meisten von ihnen bestanden auf Anonymität.

Geholfen wurde den Athleten von Trainern, Funktionären und Ärzten. "Sie waren dienlich und haben unterstützt. Das ist sehr kritisch zu sehen. Die Sportler waren junge Menschen, die vielleicht gerade erst aus der Schule kamen", sagte der 29-Jährige. Auch weil so viele Personen involviert waren, habe ihn die Resonanz auf seine Studie überrascht. "Dass so etwas passiert ist, war bereits beschrieben. Ich habe den Athleten in den Fokus gestellt", sagte Krivec.

Die heutigen Rahmenbedingungen für Sportler sieht Krivec kritisch. "Früher hieß es, man kann nur mit Endkampfchance zu Olympia, heute bekommt man Sportförderung nur, wenn man eine Medaillenchance hat. Das ist fast gleich, die Wortwahl ist vielleicht etwas anders", sagte er. 

Bisher sei noch kein Sportverband, auch nicht der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), auf ihn zugekommen. "Das hat mich überrascht", erklärte er. Allerdings habe der Sportausschuss des Deutschen Bundestags erklärt, ihn einladen zu wollen.