Bonn/Brüssel (dpa) - Viele Jahre kassierten Mobilfunkanbieter in Europa viel Geld für das Roaming. Die Durchleitung von Gesprächen oder einer SMS durch fremde Netze und später das Surfen in diesen war ein einträgliches Geschäft.

Doch das liegt Jahre zurück, und die Anbieter haben sich auf Veränderungen eingestellt. Seit 2007 sind laut EU durch die Absenkung der Entgelte die Endkundenpreise bis heute um 92 Prozent geschrumpft. Ziel war es, die Roaming-Gebühren ganz abzuschaffen. Jetzt ist es so weit: Europa wird im Juni zur roamingfreien Zone.

Was sind Roaminggebühren und warum und wofür wurden sie erhoben?

Bislang verlangten die Mobilfunkbetreiber für die Durchleitung von Telefonaten ihrer Kunden durch fremde Netze eine Gebühr. Diese Entgelte lagen beim Aufbau der Mobilfunknetze in Europa zum Teil weit auseinander. Telefonieren im Ausland konnte deshalb sehr teuer werden. Ein Roaming greift immer beim Grenzübertritt: Dann loggt sich ein ausländischer Betreiber ins Mobilfunkgerät ein und teilt dies per SMS mit. Wird nun telefoniert oder eine SMS versandt, fallen zusätzliche Kosten an. Diese stellt der eigene Mobilfunkbetreiber später seinem Kunden in Rechnung.

Die Mobilfunkkonzerne rechtfertigten die hohen Entgelte lange Zeit mit dem teuren Aufbau der Netze. Investiert wurde nicht nur in Netzwerktechnik oder Antennen- und Sendestationen. Viel Geld floss auch in den Erwerb von Mobilfunklizenzen. Aus dem Roaming wurden gigantische Summen erzielt. Für 2009 hatte die EU-Kommission einmal einen Betrag von knapp 5 Milliarden Euro genannt.

Wie beurteilen Verbraucherschützer die neue Surffreiheit?

Von der EU-Kommission wie auch von Verbraucherschützern kommt seit vielen Jahren massive Kritik an den Roaminggebühren. Unübersichtliche Preise, die stark von einander abwichen, führten dazu, dass Urlauber die Kosten aus dem Blick verloren und am Ende hohe Rechnungen präsentiert bekamen. "Die Abschaffung der Roamingaufschläge für Endkunden ist zu begrüßen", unterstreicht Christine Steffen, Expertin für Telekommunikation bei der Verbraucherzentrale NRW.

Doch wie sich das neue Sorglos-Surfen und -Telefonieren im europäischen Ausland in Zukunft darstellt und welche Marktreaktionen und Tarifoffensiven sie auslösen, bleibe abzuwarten. Die Anbieter könnten ihre Preise im Inland anpassen und damit am Ende doch noch die Kunden zur Kasse bitten. Schon im vergangenen Jahr seien im Vorgriff auf das bevorstehende Roaming-Ende die Standardtarife einiger Anbieter leicht erhöht worden, sagt ein Branchenkenner.

Was ändert sich an den Endkundentarifen?

Für die Handynutzer bleiben die Preise im Prinzip stabil. Ab Juni können die gebuchten Tarife, wie bisher, aber ohne weitere Aufschläge im europäischen Ausland genutzt werden. Es gelten die gleichen Bedingungen wie im Inland - nach dem Prinzip: roam like at home. Nicht ganz klar sind die Auswirkungen des Roaming-Wegfalls auf gebuchte Datenpakete. Diese sind zwar auch im Ausland gültig, könnten dort aber je nach Nutzungsintensität schneller erschöpft sein.

Was sagen die Telekomriesen zum Wegfall des Roaming?

Die großen Telekommunikationsanbieter stehen nach langjähriger Kritik dem Wegfall des Roaming inzwischen positiver gegenüber. "Die Telekom unterstützt das politische Ziel eines Verzichts von Roaming-Aufschlägen innerhalb der EU", erklärt ein Unternehmenssprecher. Auch Vodafone und Teleónica O2 hatten bereits im vergangenen Jahr in einigen Tarifen auf die Erhebung solcher Gebühren verzichtet.

Kritisiert wird zum Teil aber die Deckelung der Kosten, die sich die Mobilfunkkonzerne für die Rufdurchleitung auf der Ebene von Vorleistungen in Rechnung stellen dürfen. Diese hatte die EU neu festgelegt und eine Obergrenze eingezogen zum Schutze von Betreibern mit weniger Netzinfrastruktur. Die Grenzen lägen zum Teil unter den verhandelten Marktpreisen und berücksichtigten nicht, dass sich die Roaming-Partner an den Risiken der Netzinvestitionen angemessen beteiligen sollten, sagt der Telekom-Sprecher