Düsseldorf (SID) - Die ehemalige Athletensprecherin Claudia Bokel trauert ihren Posten beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) nicht nach. "Im IOC hätte man mich vorschlagen können. Das ist nicht passiert. Der DOSB hätte mich zum persönlichen Mitglied machen können. Auch das ist nicht passiert", sagte die Präsidentin des Deutschen Fechter-Bundes (DFeB) der Rheinischen Post: "Ich lege keinen Wert auf Positionen, wenn ich sie selbst erfragen muss."

Auf die Frage, ob sie sich bei ihrer Arbeit zu sehr für die Athleten eingesetzt habe, antwortete die 43-Jährige: "Ich habe mich 2008 in Peking von den Athleten wählen lassen, um für ihre Belange einzutreten. Und dann hätte ich mich vornehmlich so verhalten sollen, dass ich mir es mit IOC und DOSB für eine spätere Laufbahn nicht verscherze? Das geht doch nicht." Bokel hatte sich bei der Abstimmung über eine Teilnahme Russlands an den Olympischen Spielen 2016 in Rio als einziges Mitglied des IOC-Exekutivkomitees enthalten und nicht für die letztliche Entscheidung gestimmt. 

In ihrer neuen Position als DFeB-Präsidentin steht Bokel vor einer großen Aufgabe. Erstmals seit 1980 waren die deutschen Fechter bei den Spielen in Rio ohne Olympiamedaille geblieben. "Ich glaube schon, dass man sich gerne hat blenden lassen von den Erfolgen. Aber irgendwann musste das mit den Medaillen ja einbrechen", sagte Bokel.

In der Diskussion um die Leistungssportreform in Deutschland wünsche sie sich zudem "einen anderen Ton": "Um eine sachliche Diskussion zu führen und auszuhalten, braucht es Vertrauen. Und das ist vielleicht im deutschen Sport ein wenig zerstört."