Berlin (SID) - Özcan Mutlu, sportpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, hat von IOC-Präsident Thomas Bach die Offenlegung sämtlicher Beraterverträge gefordert. Am Donnerstag war bekannt geworden, dass Bach Hunderttausende Euro für eine bislang unbekannte Beratertätigkeit erhalten hatte.

"Thomas Bach muss dringend alle seine Beraterverträge transparent machen, die, die er hatte, und die, die er möglicherweise derzeit noch hat. Nur so kann der Sport seine Glaubwürdigkeit ein wenig wiedererlangen", sagte Mutlu. 

Bach hatte laut Recherchezentrum Correctiv mit dem Industriekonzern MAN Ferrostaal einen Vertrag ausgehandelt, der dem Wirtschaftsanwalt 125.000 Euro für 20 Arbeitstage pro Jahr und eine Tagespauschale von 5000 Euro bei Auslandsreisen einbrachte. Der Vertrag lief von 2005 bis 2009 und fiel in die Zeit, als Bach Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (2006 bis 2013) war.

"Es muss untersagt sein, dass Spitzenfunktionäre ganz nebenbei ihre Netzwerke aus dem Sport für teuer bezahlte Lobbyarbeit missbrauchen. Der Sport darf sich das nicht länger gefallen lassen", sagte Mutlu: "Es muss in den Statuten festgehalten werden, dass Nebeneinkünfte angezeigt und offengelegt werden müssen."

Ferrostaal ist ein Industriedienstleister mit Sitz in Essen, der sich vor allem als Auftragsbeschaffer für deutsche Firmen einen Namen gemacht hat, auch in der Rüstungsbranche. Der Vertrag mit Bach wurde abgeschlossen, unmittelbar nachdem der promovierte Jurist und Sportfunktionär zum Präsidenten des deutsch-arabischen Wirtschaftsnetzwerks Ghorfa gewählt worden war.

Mutlu kritisierte in dem Zusammenhang auch, dass Bach in Besitz von mehreren Diplomatenpässen sei. "Kontakte zu Millionären, Regierungsvertretern und Autokraten weltweit und dazu noch drei Diplomatenpässe: Perfekte Voraussetzungen für Beraterverträge", meinte Mutlu und erklärte: "Wenn Bach tatsächlich millionenschwere Deals für MAN und Siemens im Ausland einfädelte, bekommen auch die Wörter 'besonderes Interesse Deutschlands' als Begründung der Bundesregierung für drei Diplomatenpässe gleich eine ganz neue Bedeutung."