Gelsenkirchen (dpa) - Andries Jonker stand der Frust ins Gesicht geschrieben. Der neuerliche Rückschlag seiner Mannschaft beim deutlichen 1:4 (0:2) gegen den FC Schalke 04 verdarb dem Trainer des VfL Wolfsburg gründlich die Laune.

Die Aufbruchstimmung nach seinem Amtsantritt mit zunächst fünf Partien ohne Niederlage scheint mit einem Mal verflogen. "Die ersten 20 Minuten waren grottenschlecht, die ersten drei Minuten in der 2. Halbzeit waren grottenschlecht. Da habe ich gedacht, was ist das denn", klagte der Coach. Dennoch gab sich der Niederländer kämpferisch: "Aber ich verfalle nach 23 sauschlechten Minuten nicht in Panik. Wir müssen ruhig bleiben."

Nur drei Tage nach der ernüchternden 0:1-Heimschlappe gegen Freiburg mussten die Wölfe den nächsten Rückschlag hinnehmen. Doch anders als gegen Freiburg präsentierten sie sich auf Schalke wie ein Abstiegskandidat. "Die letzten Spiele waren eigentlich okay. Aber heute haben wir als ganze Mannschaft versagt", gestand Mittelfeldspieler Daniel Didavi. Ähnlich sah es Jonker: "Mit solch einer Vorstellung habe ich nicht gerechnet. Es hat mich in Erstaunen versetzt, wie meine Mannschaft verteidigt."

Nur die Freibuger Schützenhilfe gegen Mainz (1:0) verhinderte den Sturz des VfL auf Platz 15. Dennoch liegt der Relegationsrang 16 noch immer nur ein Punkt entfernt. Bei aller Kritik an der Abwehrleistung in Gelsenkirchen bleibt die Offensive der größte Schwachpunkt des Teams. Unter der Regie von Jonker hat bisher nur Mario Gomez getroffen. So war es auch dem Nationalspieler vorbehalten, mit seinem 13. Saisontor (79. Minute/Foulelfmeter) zumindest für ein wenig Ergebniskosmetik zu sorgen.

Dagegen vergrößerte der FC Schalke den Abstand zu Rang 16 auf beruhigende acht Punkte. Selbst die erneute Qualifikation für die Europa League scheint nach dem couragierten Auftritt wieder möglich. Vor 61 298 Zuschauern in der Veltins-Arena sorgten Guido Burgstaller (6./77.), Leon Goretzka (23.) und Daniel Caligiuri (48.) für den verdienten Sieg. Fragen nach den Europa-League-Chancen des Revierclubs wiegelte Manager Christian Heidel ab. "Ich habe mir abgewöhnt, mich nach jedem Spieltag zu diesem Thema zu äußern."

Dennoch war unverkennbar, dass beim Revierclub alle Beteiligten wieder Hoffnung schöpfen, die bisher unglücklich verlaufende Saison doch noch auf einem Europapokal-Platz abschließen zu können. "Wenn man auf die Tabelle schaut, war das heute ein sehr wichtiger Sieg", kommentierte Trainer Markus Weinzierl, "so nah waren wir noch nie dran an Platz fünf." Die vier Zähler, die bis zum SC Freiburg noch fehlen, scheinen aufholbar.

Es passte ins Bild von einer Trendwende, dass auch Burgstaller nach zuvor vier Partien ohne Torerfolg wieder traf. Der erst in der Winterpause aus Nürnberg verpflichtete Angreifer entpuppte sich mehr und mehr als verlässliche Größe. Seine Saisontreffer fünf und sechs bejubelte der Stadionsprecher mit den Worten: "Der Alpenbomber hat wieder zugeschlagen."

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