Verden (dpa) - Schock in der Kleinstadt: In der Fußgängerzone im niedersächsischen Verden knallt am Sonntagmorgen um 8.00 Uhr ein Autofahrer in den Rathauseingang.

Das Glasfoyer zerspringt, hohe Flammen lodern - im Wagen liegt eine Flasche mit Propangas, doch sie explodiert nicht. Nach kurzer Zeit steht eine Rauchsäule über der 27.000-Einwohner-Stadt bei Bremen. Eineinhalb Stunden muss die Feuerwehr löschen. Was auf den ersten Blick Terrorängste weckt, ist wohl ein Racheakt eines zornigen Bürgers im Streit mit der Verwaltung. "Vermutlich gab es da Zwist mit der Behörde", sagt Polizeisprecher Helge Cassens.

Sein Kollege Marcus Neumann ergänzt: "Vor dem Hintergrund der Ereignisse in den letzten Tagen schließen wir einen Terroranschlag aus." Er spielt mit dieser Betonung auf den Terror von Stockholm an.

"Gott sei Dank sind keine Menschen zu Schaden gekommen", sagt wenige Stunden nach der Attacke Bürgermeister Lutz Brockmann (SPD), er ist immer noch unter dem Eindruck der Geschehnisse. Die Leitstelle hatte ihn am Morgen aus dem Bett geklingelt. "Ich bin sofort zum Rathaus geradelt. Ich war entsetzt, als ich die Ausmaße sah." Eine Frage beschäftige ihn, aber auch viele Menschen in der Stadt: "Es ist mir unbegreiflich, was das Motiv sein kann. Das verstehe ich nicht."

Der 47-jährige Fahrer ist der Polizei bisher nur wegen kleinerer Delikte aufgefallen, er gehöre nach bisherigen Erkenntnissen auch keiner radikalen Gruppierung wie etwa den Reichsbürgern an, sagt Sprecher Cassens. Er habe sich widerstandslos festnehmen lassen.

"Als wir am Rathaus ankamen, stiegen massive Rauchwolken aus dem Gebäude auf", sagt Feuerwehrsprecher Dennis Köhler. Doch es hätte alles noch schlimmer kommen können. Denn der Mann, der offensichtlich in voller Absicht durch die geschlossenen Türen fuhr, hatte eine 11-Kilo-Propangas-Flasche im Wagen. Wegen der Hitze trat durch ein Überdruckventil schon Gas aus, wie Köhler sagt.

Der 47-Jährige hat demnach die Einsatzkräfte selbst auf die gefährliche Flasche in dem brennenden Kombi aufmerksam gemacht. "Wenn die Gasflasche explodiert wäre, wäre der Schaden auf jeden Fall größer gewesen", heißt es auch aus den Reihen der Polizei. "Es ist ein großes Glück, dass zufälligerweise der Rettungsdienst vorbeigefahren ist, die Rauchsäule bemerkt hat und schnell Verstärkung rufen konnte", sagt Cassens.

Brockmann befürchtet für die kommende Woche viele Einschränkungen für die Verwaltung der Stadt. "Wir haben einen großen materiellen Schaden", sagt er. "Wir müssen sehen, wie wir den Rathausbetrieb in den nächsten Tagen regeln." Im alten, historischen Rathaus werde gearbeitet. "Ich war heute schon in meinem Büro, das läuft alles." Doch der betroffene Neubau bleibe vorerst geschlossen.