Köln (SID) - Das ostdeutsche Radsport-Idol Gustav Adolf "Täve" Schur ist gegen den Protest der Dopingopfer-Hilfe (DOH) und des Thüringer Antidopingkämpfers Henner Misersky erneut für die Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Sports vorgeschlagen worden. Die drei Träger der virtuellen Ruhmeshalle, die Stiftung Deutsche Sporthilfe, der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS), haben Schur einstimmig auf die Kandidatenliste gesetzt.

Es ist der zweite Versuch, den heute 86-Jährigen in die Hall of Fame aufzunehmen, nachdem ein erster Vorstoß im Mai 2011 gescheitert war. Damals hatte Schur von der Jury nicht die erforderliche Mehrheit bekommen. Der Verein für Dopingopfer-Hilfe begründete seinen Protest damals wie heute damit, dass Schur eine "zentrale Propagandafigur des kriminellen DDR-Sports" gewesen sei. Schur war von 1959 bis 1990 Mitglied der Volkskammer der DDR. Darüber hinaus saß er von 1998 bis 2002 für die PDS im deutschen Bundestag.

Eine Aufnahme von Schur ließe "die Ehrenhalle implodieren", sagte die DOH-Vorsitzende Ines Geipel dem Deutschlandfunk auf Anfrage: "Es beschädigt die Fairplay-Sportler, die schon drin sind. Aber es beschädigt natürlich vor allem auch die Sporthilfe selbst. Wenn man das mal konsequent zu Ende denkt, gibt es jetzt eigentlich auch kein Argument mehr, warum nicht Stasi-Chef Erich Mielke beispielsweise posthum unter der Rubrik besondere Persönlichkeiten in die Hall of Fame aufgenommen wird. Schließlich hat er auch viel für die Entwicklung des DDR-Sports getan."

Henner Misersky, wegen seiner Verdienste im Antidopingkampf vor fünf Jahren selbst in die Ruhmeshalle aufgenommen, bezeichnet den erneuten Vorstoß in Sachen Schur als "Schlag ins Gesicht der vom Leistungssport in der DDR aus politischen Gründen Ausgegrenzten, der Dopinggegner und Opfer. Es gibt von Schur bis heute kaum ein positives Zeichen, sich mit deren Problemen oder der DDR-Diktatur kritisch auseinanderzusetzen."

Die Sporthilfe begründet ihren Vorstoß mit der Tatsache, dass "die Hall of Fame des deutschen Sports aufgrund der Geschichte Deutschlands eine besondere Herausforderung ist. Mit der Einrichtung und Weiterentwicklung der Ruhmeshalle ist ein Erinnerungs- und Aufklärungsprozess in Gang gekommen, der auch unangenehme Wahrheiten nicht verschweigen soll." Die sportlichen Erfolge der aufgenommenen Persönlichkeiten, so heißt es weiter, "werden stets im Kontext ihrer jeweiligen Zeit dargestellt, und auch etwaige Verfehlungen werden benannt, um Diskussionen anzuregen". 

Die Vorschläge für die diesjährige Wahl, für die außerdem die zweimalige Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler sowie Sven Hannawald, Franz Keller und Lothar Matthäus nominiert wurden, seien "mit der nötigen Sorgfalt analysiert und auf Unbedenklichkeit überprüft" worden.