Köln (SID) - Der Mainzer Sportwissenschaftler Andreas Singler hat seine bereits 2015 erhobenen, schweren Doping-Vorwürfe gegen den Profifußball und Radsport der 1970er- und 1980er-Jahre bekräftigt. Es sei "nunmehr erstmals der sichere Befund möglich, dass Anabolika-Doping und andere medizinisch eindeutig nicht indizierte Manipulationsmaßnahmen auch im Profifußball eine signifikante Rolle spielten", schreibt Singler in der Zusammenfassung seines am Freitag endgültig veröffentlichten Gutachtens.

Ähnlich hatte Singler seine Schlussfolgerungen bereits Anfang März 2015 zum Anabolika-Doping formuliert, als er erste Details allerdings ohne Absprache der damals noch existenten Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin veröffentlicht hatte. Die Beweise dafür seien in den Akten zum Freiburger Mediziner Armin Klümper zu finden, der im Mittelpunkt der westdeutschen Dopingvergangenheit steht. 

"Betroffen davon war der damalige Bundesligaverein VfB Stuttgart in größerem Umfang und der SC Freiburg, bei dem eine Anabolikalieferung zur Auffüllung eines Medikamentenkoffers 1979 nachweisbar ist", schreibt Singler: "Dabei kam jeweils das Anabolikum Megagrisevit zum Einsatz, das auch von der von Klümper behandelten, 1987 verstorbenen Leichtathletin Birgit Dressel zeitweise eingenommen wurde."

Singlers erste Veröffentlichung hatte vor gut zwei Jahren ein "Doping-Beben" ausgelöst, hochrangige Vertreter aus Sport und Politik äußerten sich zur Sache. Damals Betroffene wiesen Vorwürfe zurück, andere forderten umgehende Aufklärung.

Am Freitag schrieb Singler zudem, im Fußball gehe es auch um von den Vereinen damals "umfangreich finanzierte, ausdrücklich für Gesunde gedachte Medikationen im Umfang von mehreren Zehntausend DM pro Jahr". Diese seien zumindest "teilweise" als ärztliches Doping anzusehen, "unabhängig davon, ob sie im Sport zum damaligen Zeitpunkt sportrechtlich als Doping gelistet waren oder nicht".

Auch nach der Jahrtausendwende seien, "parallel zum Freiburger Radsportskandal, derartige Medikationen durch einen zurückgetretenen Mannschaftsarzt gegenüber dem als dopingkritisch geltenden Trainer beklagt worden", schrieb Singler.

Im April 2017 sei Singler zudem zur Erkenntnis gelangt, "dass Klümper mehrfach zwischen 1979 und 1984 menschliches Wachstumshormon (Crescormon) bezog, teils während bereits gegen ihn ermittelt wurde". Dieses Medikament musste damals noch aus den Hypophysen von Leichen gewonnen werden und wurde 1985 wegen gravierender möglicher Gesundheitsrisiken vom Markt genommen.