Stuttgart (dpa) - Nach den überraschenden Comeback-Aussagen von Turn-Olympiasieger Fabian Hambüchen bleibt vor allem eines: Verwirrung. Selbst sein Manager zeigte sich von den Gedankenspielen seines Schützlings ein wenig überrascht.

Einer Rückkehr Hambüchens bei der WM 2019 in Stuttgart erteilte Klaus Kärcher jedenfalls erst mal eine Absage. "Im Gegenteil. Beim deutschen Turnfest Anfang Juni in Berlin wird er offiziell von seiner internationalen Karriere verabschiedet. Und darauf freut er sich", sagte der Manager der Deutschen Presse-Agentur. An ein Comeback verschwende der 29-Jährige derzeit keine Gedanken.

Im Gespräch mit dem SWR-Hörfunk hatte Hambüchen zuvor selbst einen Rücktritt vom Rücktritt dagegen alles andere als ausgeschlossen. "Ich habe ja nach Rio gesagt, meine internationale Karriere ist beendet. Aber so 'ne WM in Stuttgart, die reizt natürlich - und 'Sag niemals nie'." Auch einen Start bei Olympia 2020 in Tokio hatte er für möglich gehalten, "wenn ich dann noch konkurrenzfähig bin". Schon bei der Gala der "Sportler des Jahres" hatte er Ende 2016 verhalten mit einem Comeback kokettiert. Kärcher sagt nun: "Das ist nicht seine Absicht." Aber was plant Hambüchen wirklich, der nach seiner goldenen Reck-Übung in Brasilien die internationale Laufbahn für beendet erklärt hatte?

Womöglich weiß auch Kärcher das momentan nicht so genau. Sicher ist, dass sich Hambüchen nach seiner Schulter-Operation derzeit in der Reha befindet. Unsicher ist, ob er nach der Reha überhaupt wieder zu 100 Prozent belastbar sein wird. Es werde sicher Monate dauern, die Schulter wieder beweglich zu machen, sagt Kärcher - um dann selbst doch alles für möglich zu erklären. "Wenn der Arm wieder voll belastbar ist, dann halte ich nichts für ausgeschlossen", sagte er. "Aber das ist überhaupt nicht der Plan."

Stattdessen habe Hambüchen das mit seinen Comeback-Gedanken im SWR-Gespräch "salopp gesagt", das sei passiert. Tatsächlich scheint sich Hambüchen selbst derzeit nicht im Klaren darüber, was die Zukunft bringen wird. Nun bestätigte er gegenüber der "Bild"-Zeitung und dem SWR die Trennung von seiner Freundin Marcia. Eigentlich will er bald wieder in der Bundesliga turnen, das hatte er nie ausgeschlossen. Ob seine Schulter aber wieder komplett verheilen wird, weiß er trotz guter Reha nicht. Zudem wird er noch gut eineinhalb Jahre mit seinem Studium beschäftigt sein. Dass ihn eine Turn-WM in Stuttgart aber besonders reizen würde, war dagegen schon länger klar. 2007 wurde er dort Weltmeister am Reck, "da fing alles an", sagt Kärcher.

"Stuttgart ist natürlich der Wahnsinn. Das wäre natürlich auch für ihn ein großer Traum. Er ist in Stuttgart auf jeden Fall dabei, ob als Zuschauer oder als Turner", sagt der Manager, was wieder eher nach einer möglichen Fortsetzung der Karriere klang. Was bei aller Verwirrung um ein mögliches Comeback des besten deutschen Turners aber klar sein dürfte: Seine Sponsoren dürften die Spekulationen um eine Rückkehr bei großen Wettkämpfen mit Wohlwollen verfolgen. Eine größere Bühne für einen deutschen Turner als eine WM im eigenen Land gibt es kaum. Das würden wohl nur die Olympischen Spiele 2020 toppen.

Infos zu Hambüchen auf seiner Homepage