Olbia (SID) - André Greipel (Rostock) hat den Sieg auf der ersten Etappe des 100. Giro d'Italia leichtfertig verspielt und damit die große Chance auf das Rosa Trikot vergeben. Beim Sieg des Österreichers Lukas Pöstlberger vom deutschen Team Bora-hansgrohe nach 206 km zwischen Alghero und Olbia auf Sardinien zog Greipels Lotto-Soudal-Mannschaft den Sprint zu spät an, für den deutschen Meister reichte es schließlich nur zu Platz drei.

Während sich die Sprinter belauerten, setzte sich der 25 Jahre alte Pöstlberger, der seine erste große Rundfahrt bestreitet, auf dem letzten Kilometer ab, fuhr den entscheidenden Vorsprung heraus und damit auch an die Spitze der Gesamtwertung. 

Zweiter wurde der Australier Caleb Ewan (Orica-Scott) vor Greipel, der damit seinen Traum vom Maglia Rosa beim Jubiläums-Giro begraben muss - die kommenden Etappen dürften zu anspruchsvoll für die Sprint-Spezialisten sein.   

Der 34 Jahre alte Greipel hätte als erst achter Deutscher das Rosa Trikot erobern können. Im Vorjahr hatte Sprint-Rivale Marcel Kittel das begehrte Jersey für einen Tag getragen.

Unmittelbar nach dem Start hatte sich eine sechsköpfige Fluchtgruppe vom Hauptfeld abgesetzt. Zu dieser zählte auch der Italiener Mirco Maestri vom Zweitdivisionär Bardiani-CSF, der am Donnerstag wegen positiver Dopingproben seiner Giro-Starter Stefano Pirazzi und Nicola Ruffoni für Negativschlagzeilen gesorgt hatte. Das Duo wurde positiv auf verbotene Wachstumshormone getestet, beide Fahrer sind von der Italien-Rundfahrt ausgeschlossen.

Dem Rennstall droht nach dem Reglement des Weltverbandes UCI eine Suspendierung von 15 bis 45 Tagen, da es zwei positive Befunde binnen zwölf Monaten gegeben hat. Dies wäre gleichbedeutend mit dem Ausschluss vom Giro. "Das ist eine Möglichkeit. Wir sind wirklich sauer. Das hat uns eine Menge Ärger eingebracht, nicht nur den sieben Fahrern, die noch hier sind", sagte Sportdirektor Stefano Zanatta vor Etappenstart. 

40 Kilometer vor dem Ziel hatten die Ausreißer noch rund zwei Minuten Vorsprung, danach machte vor allem Greipels Lotto-Soudal-Team bei der Verfolgung ernst. Vier Kilometer vor dem Ziel stellte das Feld die Fluchtgruppe - dann aber überraschte Pöstlberger alle.

Vor dem Start der Jubiläumsausgabe war mit einer Schweigeminute des vor zwei Wochen bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückten Ex-Siegers Michele Scarponi gedacht worden. Scarponis Astana-Team tritt ihm zu Ehren lediglich mit acht statt neun Fahrern beim Giro an.

Die zweite Etappe führt am Samstag über 221 km von Olbia nach Tortoli. Auf dem hügeligen Teilstück dürfte Pöstlberger das Rosa Trikot wieder verlieren.