Berlin (SID) - Athleten und Sportpolitiker blicken mit Spannung auf die Vorstellung der umstrittenen PotAS-Kommission am Montag in Berlin. "Die PotAS-Kommission nimmt eine Schlüsselfunktion in der Leistungssportreform ein. Wir Athleten werden genau beobachten, wie sich die Situation für uns mit PotAS verändert", sagte DOSB-Athletensprecher Max Hartung dem SID.

"Auch wir im politischen Raum werden mit großem Interesse die Arbeit der Kommission beobachten. Dort werden schließlich grundlegende Entscheidungen über die Förderwürdigkeit und damit die Zukunft von Verbänden und Athleten getroffen", sagte Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag. Die SPD-Politikerin bezeichnete "PotAS" als "Kernelement" der Leistungssportreform, die der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und das Bundesinnenministerium wegen der zuletzt immer schwächer werdenden Medaillenausbeute deutscher Olympiamannschaften angestoßen hatten.

Die fünfköpfige Kommission unter Leitung des Sportpsychologen Professor Bernd Strauss wird künftig mittels eines "Potenzialanalysesystems" (PotAS) die Förderwürdigkeit von einzelnen Sportarten und Disziplinen beurteilen. Im Zentrum der Analyse steht die Medaillenperspektive.

Nach der Überprüfung von Dutzenden "Attributen" werden die Sportarten dann in drei sogenannte Cluster eingeteilt. Nur im ersten Cluster wird künftig optimal gefördert, Mitglieder von Cluster drei erhalten, wenn überhaupt, nur noch eine Grundunterstützung.

Die endgültige Entscheidung über Fördersummen fällt allerdings nicht die PotAS-Kommission, sondern die "Förderkommission". Darin sitzen Vertreter von BMI, DOSB sowie aus der Sportministerkonferenz der Länder.

Seit Monaten geht in den Verbänden die Angst vor Mittelstreichungen im Zuge der Reform um. "Ich hoffe, dass mit der Arbeit der Kommission auch die Verunsicherung in den Verbänden und bei den Athleten abnimmt und die richtigen Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt werden", sagte Hartung.

Die Geschäftsstelle der PotAS-Kommission wird an der Universität Münster angesiedelt, wo auch Strauss lehrt. Die Kosten für das laufende Jahr sollen rund 700.000 Euro betragen.

Neben "PotAS" sollen weitere Eckpunkte die Reform prägen, viele davon wie die mögliche Zusammenlegung oder Schließung von Olympia- und Bundesstützpunkten sind heftig umstritten. Das Jahr 2017 gilt bei der Implementierung der Reform als Übergangsjahr, ab 2018 soll sie schrittweise umgesetzt werden. Das Innenministerium, der größte Geldgeber des Spitzensports, knüpft eine nach DOSB-Meinung dringend notwendige Erhöhung der allgemeinen Förderung an die erfolgreiche Umsetzung der Reform.