Köln (dpa) - Der diesjährige "Deutschland sucht den Superstar"-Gewinner ist wirklich mal ein großer Sänger. Mehr als zwei Meter misst Alphonso Williams (54), gebürtig aus Detroit, USA, hängengeblieben im niedersächsischen Wiefelstede im norddeutschen Tiefland.

Sein Sieg wurde am Samstagabend zwar erst kurz vor Mitternacht verkündet, stand aber eigentlich schon von dem Moment an fest, in dem Dieter Bohlen seine Vorbehalte gegen "Mr. Bling Bling" ausdrücklich zurückzog. Das war gegen 21.15 Uhr.

Bohlen hatte die sängerischen Qualitäten der Stimmungskanone mit dem Blitz-Gebiss zuvor mehrfach in Zweifel gezogen. Schließlich fügte er sich dem Unvermeidlichen. "Es war eine Liebe auf den zweiten Blick", erklärte er. "Deshalb glaub' ich auch, dass du es eigentlich am meisten verdient hast." Co-Jurorin Michelle lobte: "Du schaffst es, die Menschen zu bewegen im Herzen."

Das Kölner Studiopublikum hatte der Sohn eines Baptistenpredigers von Anfang an auf seiner Seite, die Fernsehzuschauer dann auch, wie sich zeigte. Er bekam gut 40 Prozent der Stimmen. An zweiter Stelle landete Alexander Jahnke mit etwas über 30 Prozent, dann folgten Maria Voskania mit 18 Prozent und auf Platz 4 Duygu Goenel mit gut 10 Prozent.

Voskania (29) hatte sogar auf Schützenhilfe von Helene Fischer bauen können, für die sie seit Jahren als Background-Sängerin arbeitet. Bald werde noch Putin als Unterstützer dazugeholt, witzelte Bohlen in Anspielung auf Fischers russische Herkunft.

Alphonso bekommt nun einen Plattenvertrag und 500 000 Euro. Das Geld will er dafür verwenden, ein Versprechen gegenüber seiner Mutter einzulösen. Auf dem Sterbebett habe seine Mutter ihm und seinen Geschwistern das Versprechen abgenommen, nie länger als zweieinhalb Jahre bis zum nächsten Wiedersehen verstreichen zu lassen. 

"Ich habe mich damals gefragt: Wie soll ich das nur erfüllen?", erzählte Alphonso am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur in Köln. Weil die Flüge in die USA so teuer seien, habe er seine Mutter zuvor in 25 Jahren nur viermal gesehen. "Deshalb ist es so ein Segen, dass ich nun das Versprechen erfüllen kann, das ich meiner Mama gegeben habe." 

Bohlen wird von RTL mittlerweile nicht mehr nur als "Pop-Titan" angekündigt, sondern als "lebende Legende". Wobei die näselnde Stimme mit dem norddeutschen Idiom für heutige TV-Generationen ja tatsächlich einen ähnlich hohen Wiedererkennungswert haben dürfte wie für frühere das "Lass dich überraschen" von Rudi Carrell.

Einmal mehr wurde deutlich, dass Castingshows wie DSDS einen politischen Subtext haben. Die Botschaft ist purer Wirtschaftsliberalismus: Arbeite hart, dann wirste was! Es gibt kein größeres Lob aus dem Munde von Bohlen als: "Du hast dir den Arsch aufgerissen."

Solche Weisheiten muss die Fernsehnation auch nächstes Jahr nicht entbehren. "15 Staffeln, 15 Jahre DSDS", warb RTL am Samstag schon mal. "Bewirb dich jetzt!" Dabei war die diesjährige Finalshow die quotenschwächste seit Bestehen der Sendung. Lediglich 3,47 Millionen Menschen - und damit noch einmal gut 100 000 weniger als letztes Jahr - schalteten ein. 

Deutschland sucht den Superstar