Manama (SID) - Was ist passiert?

Das Council des Fußball-Weltverbandes FIFA hat entgegen der Kritik von DFB-Präsident Reinhard Grindel die beiden Chef-Ethiker aus dem Amt geworfen. Der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert (München) und Ermittler Cornel Borbely (Schweiz) wurden nicht zur Wiederwahl beim FIFA-Kongress am Donnerstag vorgeschlagen. Für viele ein Skandal.

Was bedeutet die Entscheidung? 

Borbely sprach am Mittwoch von "mehreren Hundert" noch laufenden Untersuchungen gegen vermeintlich korrupte Funktionäre. Diese sind vom FIFA-Council jäh unterbrochen worden. Die Nachfolger der Vorsitzenden der Ethikkommission sind zwar auch verdiente Juristen - aber auch sie müssen sich erst in die Fälle einarbeiten. Das kann dauern. Manch ein Funktionär wird deutlich länger ruhig schlafen können als geplant.

Wie reagierten Eckert und Borbely?

Gelinde gesagt mit Unverständnis. Für Eckert war es "ein schlechter Tag für die FIFA", für Borbely "nichts anderes als das Ende des Reformprozesses". Die beiden sehen ihre Arbeit akut gefährdet und vermuten eine politisch motivierte Entscheidung. "Der Ethik-Code ist nun ein wertloses Stück Papier", sagte Borbely und sprach von einem "Rückschlag im Kampf gegen Korruption".

Welche Folgen hat das für den deutschen WM-Skandal 2006?

Borbely machte keine Angaben zu speziellen Fällen. Dass beispielsweise gegen den früheren WM-OK-Chef Franz Beckenbauer immer noch ermittelt wird, ist aber so gut wie sicher. Auch diese Untersuchungen werden sich in die Länge ziehen. Es könnte sogar sein, dass bestimmte Spuren von den neuen Ermittlern anders bewertet und nicht mehr weiter verfolgt werden. Handfeste Ergebnisse werden mit hoher Wahrscheinlichkeit aber ohnehin erst von den staatlichen Ermittlungsbehörden kommen.

Was sagt der Deutsche Fußball-Bund (DFB)?

Grindel hatte sich während der Council-Sitzung energisch für den Verbleib der beiden Ethiker eingesetzt. "Ich habe eindringlich darauf hingewiesen, dass es eine sehr schwierige Entscheidung ist, da nach meiner Einschätzung die Arbeit von Hans-Joachim Eckert und Cornel Borbely durchaus geschätzt worden ist", sagte er. Der Großteil des Rats teilte diese Einschätzung nicht.

Wie begründete Infantino die Entscheidung?

Eingeleitet hatte der Schweizer die Diskussion über die Besetzung der Kommissionen damit, dass es Beschwerden über zu viele Europäer in diesen geben würde. "Das war die einzige inhaltliche Begründung, die offiziell für personelle Veränderungen genannt worden ist", sagte Grindel. Die offizielle Begründung kam am Mittwochabend: "Die Personen wurden ausgewählt, weil sie anerkannte und hochangesehene Experten auf ihren Gebieten sind. Zudem repräsentieren sie die geographische und geschlechtliche Vielfalt, die es bei einer internationalen Organisation wie der FIFA geben muss."

Wer sind die Nachfolger?

Der Grieche Vassilios Skouris soll am Donnerstag vom Kongress zum Eckert-Nachfolger gewählt werden. Er war zwölf Jahre lang Präsident des Europäischen Gerichtshofes. Borbelys Ermittlungen sollen über die Kolumbianerin Maria Claudia Rojas laufen, die 25 Jahre Berufserfahrung vorzuweisen hat. Als Präsidentin des Staatsrats beriet sie unter anderem auch die Regierung in Rechtsfragen.