Hamburg (dpa) - Die Stars nehmen für ihre Auftritte keine Gage, die Fans verdienen sich ihren Eintritt mit Engagement: Das Global-Citizen-Festival in Hamburg am Vorabend des G20-Gipfels soll ein Zeichen setzen.

Wenn sich am Donnerstag in der Barclaycard Arena rund um Coldplay, Shakira und Herbert Grönemeyer weitere Prominente versammeln, soll das zur Show mit Statements werden. Das G20-Treffen am 7. und 8. Juli sei der beste Zeitpunkt, ein deutliches Signal an die Mächtigen zu senden, erklären die Veranstalter. Ihr Ziel: "Wir fordern, dass alles daran gesetzt wird, den Kampf gegen extreme Armut und Ungleichheiten auf dieser Welt bis 2030 zu gewinnen." Erstmals geht das Festival in Deutschland über die Bühne.

DIE STARS: Die Riege der Superstars führt der Coldplay-Frontmann Chris Martin (40) an, der engagierte Brite ist Schirmherr der Veranstaltung. Special Guest seiner Band in Hamburg: Shakira (40). Die Sängerin und Unicef-Botschafterin setzt sich etwa für benachteiligte Kinder in ihrer kolumbianischen Heimat ein, wo ihre Stiftung schon mehrere Schulen gründete.

Ihre Prominenz für den guten Zweck zu nutzen - das eint die auftretenden Gäste. Neben den internationalen Musikstars wie Pharrell Williams, Ellie Goulding und Demi Lovato beteiligen sich deutsche Künstler wie die Sänger Lena Meyer-Landrut und Andreas Bourani, die Schauspieler Elyas M'Barek und Florian David Fitz sowie die Komikerin Carolin Kebekus und der Sänger Herbert Grönemeyer.

DIE ZUSCHAUER: Der Preis für die Eintrittskarten: #TuWas. Unter diesem Motto konnten sich die Besucher in den vergangenen Monaten den Konzertbesuch verdienen. Engagement statt Geld war gefragt, denn die meisten Plätze sind für Gewinner der Tickets reserviert. Im Los-Topf landeten die Namen derjenigen, die an verschiedenen Aktionen der Bewegung teilnahmen. Von den 9000 Karten seien 80 Prozent an jene verlost worden, die Punkte gesammelt haben - dafür etwa, dass sie Emails an Politiker schickten und diese aufriefen, sich im Kampf gegen Armut zu engagieren, oder indem sie Forderungen an politische Adressaten twitterten sowie bei Anrufaktionen in Botschaften mitmachten. 125 000 Teilnehmer mit 630 000 Aktionen verbuchte Global Citizen. 20 Prozent der Karten gingen als VIP-Tickets in den Verkauf.

DIE MACHER: Global Citizen selbst bezeichnet sich als eine "soziale Aktionsplattform für eine globale Generation an jungen Menschen, die die drängendsten Herausforderungen der Welt bewältigen wollen". Ihr Chef, der Australier Hugh Evans (34), verschrieb sich dem Kampf gegen Armut, nachdem er als 14-Jähriger eine Nacht in einem Slum in Manila verbracht hatte. Er gehörte 2003 zu den Begründern der australischen Jugendbewegung Oaktree und brachte schon 2006 das Make-Poverty-History-Konzert in Melbourne mit dem U2-Sänger Bono mit auf die Bühne. Das Global-Citizen-Festival steigt seit 2012 jährlich in New York, 2016 wurde es erstmals in Kanada und Indien ausgetragen. Gesponsert wird das Hamburg-Konzert von der Bill- und Melinda-Gates-Stiftung. Coldplay-Star Martin habe sich 2015 zu einem 15-jährigen Engagement als Festival-Kurator verpflichtet, hieß es.

DIE ZIELE: "Vor nicht einmal 2 Jahren hat sich die Welt auf die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele, die Global Goals, geeinigt", erklärt Global Citizen und bezieht sich dabei auf die im Herbst 2015 festgelegte Agenda der Vereinten Nationen. "Eine globale Verpflichtung, bis 2030 Armut, den Klimawandel und Ungleichheit zu bekämpfen", betont die Organisation. Doch bisher hätten wenige Regierungen ihr Versprechen hierzu eingehalten. Die G20-Staaten haben ihrer Ansicht nach sowohl die Möglichkeit als auch die Verantwortung, "den politischen Willen und die finanziellen Mittel zu mobilisieren, die es benötigt, um die nachhaltigen Entwicklungsziele zu erfüllen".

DIE KRITIKER: Gratistickets für die Teilnahme an Online-Aktionen - auf diese Weise und in dieser Form politisches Engagement zu mobilisieren, stößt auch auf Kritik. "In den letzten sechs Jahren haben sich acht Millionen Global Citizens auf der ganzen Welt mehr als zehn Millionen Mal aktiv beteiligt, um sich den größten Herausforderungen unseres Planeten anzunehmen und das Leben von mehr als einer Milliarde Menschen zu beeinflussen", berichtete die Organisation. In der "Zeit" konterte Dieter Rucht vom Berliner Institut für Protest- und Bewegungsforschung: "Mit Verlaub, diese Zahlen klingen schwachsinnig."

Die Methode, mit Konzerttickets für Engagement zu werben, sei auch ein Zeichen dieser Zeit: "Statt politischer Inhalte stehen coole Events und ein vermeintliches Gemeinschaftsgefühl im Vordergrund."

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