Hamburg (dpa) - Ein Mann kommt in einen Supermarkt in Hamburg-Barmbek und greift unvermittelt und wahllos Menschen an. Ein Opfer wird tödlich verletzt, weitere zum Teil schwer verletzt. Der Täter flüchtet, wird aber von Passanten überwältigt und festgenommen.

WAS WIR WISSEN

Die Tat: 15.10 Uhr betritt ein Mann einen Supermarkt an der Fuhlsbütteler Straße in Hamburg-Barmbek. Er greift sich ein Messer mit 20-Zentimeter-Klinge aus einem Regal, packt es aus und greift Kunden an.

Der Täter: Nach Angaben der Polizei handelt es sich bei ihm um einen 26 Jahre alten, abgelehnten palästinensischen Asylbewerber, der in den Vereinigten Arabischen Emiraten geboren wurde. Er war im März 2015 über Norwegen nach Deutschland eingereist. Er lebte in einer Flüchtlingsunterkunft im Norden Hamburgs im Stadtteil Langenhorn. Er war ausreisepflichtig, konnte aber wegen fehlender Papiere bislang nicht abgeschoben werden.

Die Opfer: Ein 50-Jähriger Mann erleidet tödliche Verletzungen. Eine 50-jährige Frau und vier Männer im Alter von 19, 56, 57 und 64 Jahren werden ebenfalls durch Messerstiche zum Teil schwer verletzt. Ein 35-Jähriger wird zudem verletzt, als er hilft, den Täter zu stellen. Eine 29-jährige stürzt im Rahmen der Auseinandersetzung und zieht sich Schürfwunden und einen Schock zu. Einen Tag nach der Tat waren alle außer Lebensgefahr.

Der Tatort: Ein Supermarkt an der Fuhlsbütteler Straße im Stadtteil Barmbek, wenige Kilometer nordöstlich des Stadtzentrums. Die "Fuhle" ist eine belebte Einkaufstraße mit vielen kleinen Geschäften, Backshops, Imbissen, Drogerie- und Supermärkten.

Die Erkenntnisse der Behörden: Der Mann war den Behörden als Islamist bekannt, nicht aber als sogenannter Gefährder. Es gab Hinweise auf eine Radikalisierung und gleichzeitig auf psychische Labilität. Nach den Erkenntnissen der Ermittler handelte der Mann allein.

Die Tatwaffe: Ein großes Küchenmesser. Das Messer mit einer etwa 20 Zentimeter langen Klinge nahm sich der Täter in dem Supermarkt aus einem Regal und riss es aus der Verpackung. Anschließend stach er auf sein erstes Opfer ein - einen 50-Jährigen, der an seinen schweren Verletzungen starb.

Die Justiz: Gegen den Angreifer wurde Haftbefehl erlassen, er sitzt nun wegen des Verdachts auf vollendeten Mord sowie fünffachen versuchten Mord in Untersuchungshaft, wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nana Frombach, sagte. Für eine verminderte Schuldfähigkeit hätten sich "keine belastbaren Hinweise" ergeben.

WAS WIR NICHT WISSEN

Das Motiv: Der Hintergrund liegt für die Fahnder noch im Dunkeln. Es gab einerseits Hinweise auf eine Radikalisierung und islamistische Motive. Auf der anderen Seite haben die Behörden in der Vergangenheit auch Hinweise auf psychische Probleme des Mannes erhalten. Die Fahnder gehen von einem Gemengelage aus beidem aus, wobei noch nicht geklärt ist, was den Ausschlag für die Bluttat gegeben hat. Mehrere Augenzeugen berichteten, der Mann habe nach der Tat "Allahu Akbar" (Gott ist groß) gerufen.

Pressemitteilung Polizei Freitag, 22:30

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