Venedig (dpa) - Der neue Film von Abdellatif Kechiche, der 2013 die Goldene Palme für "Blau ist eine warme Farbe" in Cannes gewann, ist beim Filmfest Venedig gefloppt. Der 56-jährige Franzose stellte am Donnerstag "Mektoub, My Love: Canto Uno" im Wettbewerb der Lagunenstadt vor - bekam dafür aber nach einer ersten Aufführung Buh-Rufe.

"Mektoub" beobachtet über drei Stunden eine Gruppe junger Erwachsener, die in einem Küstenort ihren Sommer verbringen. Der Regisseur fängt ihren Alltag am Strand ein, wie sie feiern und sich lieben. Die Bilder sind sehr natürlich, oft von Licht durchflutet. Doch Kechiche lässt sich viel Zeit und verweilt ohne wirkliche Entwicklung bei den immer ähnlichen Geschehnissen. Vor allem aber die Darstellung der jungen Frauen wurde kritisiert: Die Kamera bleibt ausgiebig an ihren Körpern hängen.

Kechiche hatte bei der Finanzierung des Projekts Medienberichten zufolge wohl große Probleme. Die Post-Produktion von "Mektoub" sei aus Budgetgründen zeitweise gestoppt worden, und Kechiche habe deswegen sogar seine Goldene Palme verkaufen wollen, hatten Medien vor einigen Monaten berichtet. In dem Film "Blau ist eine warme Farbe" spielten Adèle Exarchopoulos und Léa Seydoux ein lesbisches Liebespaar.

Besser als "Mektoub" kam dafür der einzige Beitrag einer Frau im diesjährigen Wettbewerb an: Vivian Qu zeichnet in "Angels Wear White" ein düsteres Abbild der chinesischen Gesellschaft. Als zwei Mädchen von einem ranghohen Polizisten vergewaltigt werden, offenbart sich ein System voller Korruption, Missbrauch und Ausbeutung.

Filmfest Venedig

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