Montréal (SID) - Zwei sensationelle WM-Medaillen und viele Freudentränen: Die neue Weltmeisterin Pauline Schäfer und Tabea Alt haben bei den Welttitelkämpfen in Montreal deutsche Turngeschichte geschrieben. Der überraschende Sieg der Chemnitzerin und die Bronzemedaille für Alt waren der größte Erfolg für deutschen Athletinnen seit 47 Jahren.

Schluchzend lag sich das Duo im mit 10.000 Zuschauern ausverkauften Olympiastadion in den Armen, als das schier unglaubliche Endergebnis feststand. Mit der saubersten Übung des Finales gleich als erste Starterin schockte Schäfer, vor zwei Jahren bereits mit WM-Bronze dekoriert, die Konkurrenz sichtlich. Und Weltcup-Gesamtsiegerin Alt (Ludwigsburg) machte als letzte Turnerin ungeachtet eines kleinen Wacklers quasi den Deckel drauf. Dazwischen schob sich nur die neue Mehrkampf-Weltmeisterin Morgan Hurd aus den USA.

Bei der WM 1970 in Ljubljana war deutschen Turnerinnen zuletzt das gleiche Glanzstück geglückt. Ebenfalls am Schwebebalken siegte damals Erika Zuchold aus Leipzig, die Berlinerin Christine Schmitt wurde Dritte. Letzte deutsche Weltmeisterin war vor exakt 30 Jahren Dörte Thümmler (Berlin) am Stufenbarren.

Das erfolgreiche Abschneiden der deutschen Athletinnen hatte bereits am Samstag Elisabeth Seitz komplettiert. Einen Tag nach ihrem neunten Platz im Mehrkampf überzeugte die deutsche Mehrkampf-Meisterin aus Stuttgart auch im Stufenbarren-Finale und belegte trotz erheblichen Trainingsrückstands Rang fünf.

"Ich habe erneut gezeigt, dass man mit mir rechnen kann", sagte die 23 Jahre alte Sportsoldatin, die für ihre couragierten Auftritte ein Sonderlob von Teamchefin Ulla Koch einstrich: "Eli ist einfach eine Rampensau. wenn es darauf ankommt, ist sie da."

Ohne den von den internationalen Turnpodien abgetretenen Reck-Olympiasieger Fabian Hambüchen spielten die männlichen Aktiven des Deutschen Turner-Bundes (DTB) - von Nguyen abgesehen - nur eine Nebenrolle.

Doch Cheftrainer Andreas Hirsch mahnte zu Gelassenheit und sieht zumindest mittelfristig schon wieder Licht am Ende des Tunnels: "Aktuell müssen wir eine Leistungslücke stopfen. Aber ich sehe im Nachwuchsbereich Athleten, die wieder eine Konkurrenzsituation herstellen können."

Zu den Publikumslieblingen in Montreal gehörte wieder einmal Oksana Chusovitina. Die mittlerweile 42 Jahre alte Usbekin, die von 2006 bis 2012 Mitglied der deutschen Riege war, belegte im Sprung-Finale den fünften Platz - 26 Jahre nach ihrer ersten WM-Silbermedaille an diesem Gerät.

Die Weltmeisterschaften 2018 werden vom 25. Oktober bis 3. November in Doha/Katar ausgetragen. Die Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle ist vom 4. bis 13. Oktober Schauplatz der Welttitelkämpfe 2019, dort werden auch die Olympiatickets für Tokio 2020 vergeben.