São Paulo (SID) - SEBASTIAN VETTEL: Mehr als alles andere war dieser Erfolg ein Sieg für die Seele. Sebastian Vettel hat sich und der Formel 1 gezeigt, dass Ferrari es noch kann, 105 Tage nach dem letzten Erfolg in Ungarn - leider kam diese Erkenntnis für den WM-Kampf einige Wochen zu spät. Und sie dürfte bei aller Erleichterung dann auch für einen bitteren Nachgeschmack sorgen: Vettel und der SF70H wären in diesem Jahr schon titelreif gewesen, hätte man die Rennen in Singapur, Malaysia und Japan nicht durch einfache Fehler weggeworfen.

LEWIS HAMILTON: Der Mercedes-Pilot hat das schon ziemlich geschickt gemacht. Seinen ersten groben Fehler der Saison erlaubt er sich erst, als die WM gerade entschieden ist. Und dann hatte dieser Crash im Qualifying auch noch einen Vorteil: "Er hat es mir erlaubt, zu glänzen", sagte Hamilton. In der Tat, die Aufholjagd des Weltmeisters vom letzten auf den vierten Rang gab dem Großen Preis von Brasilien in diesem Jahr die Würze. Hamilton profitierte dabei natürlich davon, dass er in seiner Position die Reifenstrategie "umdrehen" konnte. Aber er war auch einfach verdammt schnell unterwegs - und am Ende zu Recht mit sich im Reinen.

VALTTERI BOTTAS: Valtteri Bottas ist kein Nico Rosberg. Das wurde gerade in der zweiten Hälfte dieser Saison immer deutlicher. Und es zeigt auch noch einmal, was Rosberg in den Jahren im Teamduell mit Hamilton geleistet hat. Bottas ist momentan nicht annähernd in der Lage, den Engländer auf ähnliche Weise zu fordern. Und auch das Duell mit Vettel um die Vize-Weltmeisterschaft wird er wohl verlieren. Mercedes wird das weiterhin nicht sagen - aber die Silberpfeile haben einen Fahrer Nummer eins. Und einen Fahrer Nummer zwei.

FELIPE MASSA: Dieser Abschied wurde der Karriere des Brasilianers gerecht. Mit dem siebten Platz noch einmal ein starkes Ergebnis vor eigenem Publikum, das den 36-Jährigen anschließend auf dem Podest wie einen Sieger feierte. Spätestens jetzt wurde allen Landsleuten wohl noch einmal klar, was sie am Vize-Weltmeister von 2008 hatten, der in den vergangenen Jahren bei Williams doch ein wenig in der Versenkung verschwunden war. An die großen Erfolge von Helden wie Senna und Piquet knüpfte er nicht an, doch einen wie Massa hätten sie in Zukunft trotzdem gerne - in der kommenden Saison wird erstmals seit 1969 kein Brasilianer in der Formel 1 fahren. Und es könnte eine ganze Weile so bleiben, weil hochklassiger Nachwuchs fehlt.

BRASILIEN: Niemand wollte es aussprechen, also sprach jeder das Gegenteil aus. "Wir wollen weiterhin in Sao Paulo fahren! Wir lieben diesen Ort!" Diese Worte waren mehrfach zu hören am Wochenende. Sie waren notwendig, weil die Zukunft des Rennens mittlerweile ziemlich fraglich erscheint. Die brutalen, bewaffneten Raubüberfälle auf Teammitglieder und Offizielle am Wochenende sind kein alleiniger Grund dafür, das teure Rennen und der mögliche Rückzug des großen TV-Partners spielen eine Rolle. Und doch setzten die räuberischen Übergriffe eine dynamische Diskussion in Gang: Kann die Formel 1 wirklich weiterhin an einem Ort fahren, an dem Jahr für Jahr gepanzerte Autos und Spezialkräfte notwendig sind, um Hab und Gut, Leib und Leben der Gäste zu schützen?

ZITAT DES WOCHENENDES: "Ganz sicher?" (Weltmeister Lewis Hamilton auf den Hinweis, Felipe Massa habe so eben sein letztes Heimrennen bestritten. Der Brasilianer war vor genau einem Jahr schon mal zurückgetreten und hatte sich in Sao Paulo emotional verabschiedet. In dieser Saison war er dann doch wieder dabei.)