Köln (SID) - Box-Weltmeister Manuel Charr ist doch nicht der erste deutsche Schwergewichts-Champion seit Max Schmeling vor 85 Jahren. Wie der 33-Jährige am Dienstag dem Express mitteilte, ist er derzeit nicht im Besitz eines deutschen Passes. "Mein Einbürgerungsverfahren liegt wegen eines möglichen Strafverfahrens auf Eis", sagte Charr. 

Dennoch sei er optimistisch, dass die Angelegenheit bald geregelt werde. "Das wird gerade von meinen Anwälten geklärt, und dann hoffe ich, meinen Pass endlich abholen zu dürfen. Aber letztlich ist es nur ein Stück Papier. Was zählt ist, dass ich mich vom Herzen her als Deutscher fühle." 

Am Dienstagabend sagte Charr bei Sky Sport News HD zudem: "Es kam seit anderthalb Jahren nicht dazu, dass ich meinen Pass abgeholt habe. Ich habe einen deutschen Pass, den hole ich bald ab, den lege ich allen am Bildschirm vor, dann freut ihr euch. Ich bin zu 100 Prozent Deutscher, der Koloss aus Köln ist Deutscher." Der SID erfuhr am Dienstag, dass in Charrs Wahlheimat Köln kein deutscher Pass für ihn bereit liegt.

Charr, der nach Anordnung des Weltverbandes WBA seinen Titel gegen den Puero Ricaner Fres Oquendo verteidigen muss, wurde im vom Bürgerkrieg zerrütteten Libanon geboren, im Alter von fünf Jahren floh er mit seiner Mutter und fünf Geschwistern nach Deutschland. Am vergangenen Samstag hatte er in Oberhausen mit seinem Punktsieg gegen den Russen Alexander Ustinow den vakanten WBA-Titel gewonnen.