Wiesbaden (dpa) - Deutschlands Exportunternehmen haben zum ersten Mal schon Ende Oktober die Marke von einer Billion Euro geknackt.

In den ersten zehn Monaten führten die Unternehmen Waren im Wert von rund 1,06 Billionen Euro aus - 6,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.

Im Oktober gab es ein Plus von 6,8 Prozent auf 108,0 Milliarden Euro. Die Importe stiegen binnen Jahresfrist noch stärker um 8,3 Prozent auf 89,1 Milliarden Euro.

Der deutsche Außenhandel ist nach Einschätzung des Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Holger Bingmann, auch im vierten Quartal mit viel Schwung unterwegs.

Die gute konjunkturelle Lage in Deutschland, in der EU, aber auch weltweit unterstütze diese Entwicklung. Der Verband rechnete zuletzt mit einem Anstieg der Exporte im Gesamtjahr um fünf Prozent auf rund 1,27 Billionen Euro. Es wäre das vierte Rekordjahr in Folge.

Erleichtert reagierte der BGA auf den ersten Durchbruch bei den zähen Verhandlungen über den EU-Austritt Großbritanniens (Brexit). "Was wir aber nach wie vor vermissen, ist eine klare Positionierung von Großbritannien, wie man sich die zukünftigen Beziehungen vorstellt", kritisierte Bingmann. "Immerhin ist Großbritannien unser drittwichtigster europäischer Handelspartner."

Im Oktober profitierten die Exportunternehmen vor allem von der Nachfrage aus der Europäischen Union (plus 8,7 Prozent). Die Ausfuhren in Länder außerhalb der EU legten um 4,1 Prozent zu.

Gegenüber dem Vormonat sanken die Exporte allerdings insgesamt um 0,4 Prozent. Analysten hatten mit einem Plus gerechnet. Dennoch sieht ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski einen klaren Aufwärtstrend. Der Export sei 2017 ein wichtiger Wachstumstreiber der deutschen Wirtschaft.

In den ersten zehn Monaten stiegen die Importe ebenfalls stärker als die Ausfuhren. In Summe exportiert Deutschland jedoch seit Jahren mehr als es importiert. Das sorgt bei Handelspartnern immer wieder für Kritik, insbesondere bei US-Präsident Donald Trump, der Freihandel generell skeptisch gegenübersteht. Für Oktober ergab sich ein Überschuss in der deutschen Handelsbilanz von 18,9 Milliarden Euro.