Lausanne (SID) - Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hat am Donnerstag angeblich eine Liste mit den Namen von etwa 300 dopingverdächtigen russischen Athleten an internationale Sportfachverbände übergeben. Das berichtet der Branchendienst Insidethegames. 

Die WADA bestätigte, dass sie "neue, wertvolle Informationen" an die Verbände gegeben habe. Die Zahl 300 bestätigte sie nicht. Allerdings gehörten laut WADA zu den Informationen konkret: Namen von Athleten mit den dazugehörigen gefundenen verbotenen Substanzen, eidesstattliche Versicherungen sowie anwaltliche Gutachten.

Es liege nun an den Verbänden, diesen Informationen "sorgfältig nachzugehen", sagte der deutsche WADA-Chefermittler Günter Younger: "Die Datenbank alleine ist zwar nicht immer ausreichend, um ein Dopingvergehen nachzuweisen. Aber sie kann zusammen mit anderen Beweisen dazu genutzt werden, einen aussichtsreichen Fall zu formen."

Ein Ermittlerteam der WADA war im November mit Hilfe eines Whistleblowers an das so genannte Laboratory Information Management System (LIMS) des Moskauer Dopinglabors gelangt. Auf den Datensätzen sind alle Dopingproben des Labors zwischen Januar 2012 und August 2015 dokumentiert.

Die 300 nun überreichten Namen sind die ersten, die aus diesem Pool stammen. Laut Insidethegames soll es sich um Athleten aus mehr als 25 Sportarten handeln. Sie alle stehen unter Verdacht, positiv getestet, aber als unschuldig eingestuft worden zu sein. 

Insgesamt beinhaltet die Datenbank laut WADA die Probenergebnisse von "mehreren Tausend Sportlern". Damit könnte sich der Doping-Skandal noch ausweiten, bisher ging man davon aus, dass rund 1000 Sportler vom institutionellen Dopingsystem profitiert haben. 

Bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi wurden Dopingproben russischer Sportler ausgetauscht und manipuliert. Bislang verhängte das IOC lebenslange Olympia-Sperren gegen 31 russische Athleten, mindestens 15 weitere Fälle sind noch anhängig. Bei den Winterspielen im kommenden Februar in Pyeongchang/Südkorea dürfen russische Sportler nur als "Olympische Athleten von Russland" unter neutraler Flagge starten.