Benedikt XVI.: Erdogan würdigt Papst-Besuch
Trotz massiver Proteste im Vorfeld ist Papst Benedikt XVI. bei seinem ersten Besuch in der Türkei freundlich empfangen worden. Im Gespräch plädierte der Papst laut Erdogan für einen EU-Beitritt der Türkei.
Ankara - Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan begrüßte das Oberhaupt der katholischen Kirche bereits auf dem Rollfeld des Flughafens in Ankara. Nach einem Treffen mit seinem schärfsten Kritiker, dem Chef des staatlichen Religionsamtes, Ali Bardakoglu, sprach sich Benedikt XVI. für einen "authentischen Dialog" zwischen Christen und Muslimen aus. Es ist der erste Besuch des Papstes in einem muslimischen Land.
Erdogan hatte erst in letzter Minute am Montag zugestimmt, den Papst zu empfangen. Zuvor hatte er seine Abwesenheit mit der Teilnahme an dem erst am Abend beginnenden Nato-Gipfel in Riga begründet. Er habe den Papst um Unterstützung für einen EU-Beitritt der Türkei gebeten und der Pontifex habe geantwortet: "Wir wollen, dass die Türkei Teil der EU ist", sagte Erdogan nach dem etwa 20-minütigen Gespräch. Der türkische Regierungschef wertete die Papst-Äußerung als "ehrenvolle Empfehlung".
Erdogan würdigt Besuch des Papstes
Vor der Ankunft des Papstes hatte Erdogan die Reise von Benedikt als Beitrag zum Weltfrieden gewürdigt und versichert, dass das türkische Volk dem Oberhaupt der Katholiken seine Gastfreundschaft zeigen werde. Die Organisatoren der jüngsten gegen den Papst-Besuch gerichteten Proteste bezeichnete der türkische Regierungschef als "Randgruppe, die eine enge Sichtweise hat".
Vor seiner Abreise hatte der Pontifex sich zuversichtlich über den Erfolg seines Besuchs geäußert. Das Ziel seiner Reise sei, "das Verständnis und den Dialog zwischen den Kulturen zu fördern", sagte der Papst. Benedikt XVI. hatte im September einen mittelalterlichen Kaiser mit den Worten zitiert, der Prophet Mohammed habe "nur Schlechtes und Inhumanes" in die Welt gebracht, und damit weltweite Proteste von Muslimen ausgelöst.
Benedikt VXI.: "Gemeinsam handeln"
Nach dem Gespräch mit Erdogan legte Benedikt XVI. einen Kranz im Mausoleum des Staatsgründers Kemal Atatürk nieder. Es ist das meistbesuchte Monument in der Hauptstadt und gilt als Symbol für den Laizismus des Landes. Er freue sich, das Zitat Atatürks "Frieden zu Hause, Frieden in der Welt" als eigenen Wunsch übernehmen zu können, schrieb Benedikt XVI. ins Gästebuch.
Anschließend traf er mit Bardakoglu zusammen, der dem Papst nach dessen Islam-Äußerungen eine "Kreuzfahrermentalität" vorgeworfen hatte. Nach dem Treffen rief der Papst zu einem "authentischen Dialog auf Basis der Wahrheit" auf. Dieser Dialog müsse die Unterschiede der Religionen respektieren und "anerkennen, was sie gemeinsam haben". "Christen und Muslime gehören der Familie derer an, die an einen Gott glauben. Wir sind aufgerufen, gemeinsam zu handeln."
Scharfe Sicherheitsvorkehrungen
Die Sicherheitsmaßnahmen für die Papst-Visite waren nach Angaben des türkischen Außenministeriums noch schärfer als die anlässlich des Besuches von US-Präsident George W. Bush zum Nato-Gipfel 2004. Die 30 Kilometer lange Straße zum Flughafen von Ankara war geschlossen worden. Bombenexperten waren im Einsatz und Hunderte von Polizisten bezogen an verschiedenen strategischen Orten in der Stadt Posten. An der Hagia Sophia in Istanbul, die der Papst am Donnerstag besuchen will, waren nach Presseangaben 200 Polizisten im Einsatz. Am Mittwoch wollte er das Marienhaus in Ephesus besuchen.
(tso/AFP)
- Datum 28.11.2006 - 06:16 Uhr
- Quelle dpa
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