Washington - Seinen derzeitigen Botschafter in Bagdad, Zalmay Khalilzad, werde der Präsident voraussichtlich "kommende Woche" zum Botschafter der USA bei den Vereinten Nationen ernennen, teilte ein ranghoher Mitarbeiter im US-Außenministerium mit. Bereits am Freitag wollte Bush den bisherigen US-Geheimdienstkoordinator John Negroponte als neuen Vize-Außenminister präsentieren.

Der afghanischstämmige Khalilzad, ein sunnitischer Moslem, ist seit Juni 2005 US-Botschafter im Irak. Als UN-Botschafter wäre er Nachfolger des innenpolitisch umstrittenen US-Republikaners John Bolton, dessen erneute Nominierung die Demokraten im Dezember abgelehnt hatten. Wie Bolton wird auch der 55-jährige Khalilzad dem neokonservativen Lager der Republikaner zugerechnet. Der demokratisch dominierte US-Senat müsste Khalilzad noch bestätigen. Als aussichtsreichster Kandidat für Khalilzads Nachfolge als US-Botschafter im Irak gilt der bisherige Missionschef in Pakistan, Ryan Crocker. Der 57-jährige Diplomat spricht fließend Arabisch und war zuvor bereits Botschafter im Libanon, in Kuwait und in Syrien.

Negroponte als Vizeaußenminister im Gespräch

Negropontes Wechsel ins Außenministerium müsste ebenfalls vom Senat bestätigt werden. Die Stelle des Vizeaußenministers ist seit dem Rücktritt von Robert Zoellick, dem früheren US-Handelsbeauftragten, im Juni 2006 nicht besetzt. Der 67-jährige Negroponte, von 2001 bis 2004 UN-Botschafter und anschließend bis April 2005 Missionschef in Bagdad, diente in vier Jahrzehnten als Karrierediplomat an Brandherden in der ganzen Welt.

Negropontes Kritiker verwiesen wiederholt auf seine zwielichtige Rolle als Botschafter in Honduras in den 80er Jahren. Damals baute die US-Regierung unter Ronald Reagan das zentralamerikanische Land mit massiver Militärhilfe zu einer Bastion gegen die linksgerichteten Sandinisten im benachbarten Nicaragua aus. Negroponte wird bezichtigt, vor den Menschenrechtsverstößen des honduranischen Militärregimes und den Aktivitäten ultrarechter Todesschwadronen beide Augen zugedrückt zu haben.

Geheimdienstkoordinator braucht großes Durchsetzungsvermögen

Michael McConnell, Vizeadmiral im Ruhestand, soll Nachfolger Negropontes, des derzeitigen Chefs aller 16 US-Geheimdienste, werden. McConnell leitete von 1992 bis 1996 den für elektronische Spionage zuständigen Geheimdienst NSA (Nationale Sicherheitsbehörde). Der neue Geheimdienstkoordinator wird großes Durchsetzungsvermögen benötigen. Denn unter den Geheimdiensten, vor allem zwischen der CIA und den Nachrichendiensten des Pentagon, gibt es tiefgreifende Rivalitäten.