Wiesbaden - "Ich befinde mich zur Zeit in der Winterpause...", hieß es auf der Mailbox eines SPD-Politikers im Landesverband Hessen. Auch seine Wiesbadener Parteikollegen scheinen Winterschlaf zu halten. Denn die fristgerechte Anmeldung für die Direktwahl zum Oberbürgermeister im März haben die Sozialdemokraten in der Landeshauptstadt schlichtweg verpennt.

Ein Sprecher der Stadt bestätigte das peinliche Versäumnis der SPD. Bis Donnerstagabend, 18.00 Uhr, hätte die Partei ihren Kandidaten, den bereits im April 2006 gekürten ehemaligen Stadtdekan Ernst-Ewald Roth, offiziell benennen müssen. Eine Nachmeldung des Kandidaten sei wegen der Ausschlussfrist nicht möglich.

SPD nicht erreichbar

In der Stadtverwaltung stieß das Versäumnis auf Unverständnis. Sogar in der Zeitung sei die Frist angekündigt worden. Nachfragen und Reaktionen auf den damit verbundenen Ausschluss habe es seitens der Wiesbadener SPD nicht gegeben. "Die sind wohl alle abgetaucht", vermutet ein Sprecher der Stadt.

In der Tat ist im zuständigen SPD-Unterbezirk in Wiesbaden niemand zu erreichen. Auf Landesebene gibt man sich verschnupft. "Kein Kommentar, ich werde mich zu dieser Sache nicht äußern", sagte der SPD-Fraktionsgeschäftsführer Gert-Uwe Mende.

CDU frohlockt

"So eine Nachlässigkeit einer großen Partei ist mir schlicht unverständlich. Wäre mir das passiert, ich wäre zwei Minuten später zurückgetreten", sagt der CDU-Kreisvorsitzende Horst Klee. Er geht davon aus, dass der Fauxpas innerhalb der SPD eine "Eruption" auslösen werde. Ein wenig leid tut Klee der SPD-Kandidat Roth, den wohl die geringste Schuld an dem Versäumnis trifft.