Minsk/Moskau/Prag - Das Öl aus Russland fließe seit Nachmittag wieder, teilte der slowakische Pipelinebetreiber Transpetrol mit. Zunächst gab es keine weiteren Bestätigungen dafür weder von russischer Seite noch aus anderen Ländern. Die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete mit Bezug auf den Pipeline-Betreiber Transneft sowie das weißrussische Unternehmen Gomeltransneft, dass beide Staaten noch kein Öl durch die Leitungen geschickt hätten. Zuvor hatte Weißrussland eine umstrittene Durchleitungsgebühr für russisches Öl zurückgenommen, die als wichtigster Streitpunkt in dem Konflikt zwischen Moskau und Minsk galt.

Die Slowakei wird über eine südliche Abzweigung von der gesperrten "Druschba"-Pipeline ("Freundschaft") beliefert. Das Öl kann das Land erreichen, auch ohne dass der nördliche Arm der Ölleitung, über den auch Deutschland beliefert wird, wieder läuft. Auch wenn die Lieferungen über Weißrussland wieder aufgenommen werden, dauert es in jedem Fall einige Zeit, bis das Öl die europäischen Länder erreicht. In der Slowakei sollte es am frühen Abend ankommen, wie Transpetrol mitteilte.

Alle strittigen Fragen klären

Weißrussland teilte mit, die Präsidenten Wladimir Putin und Alexander Lukaschenko hätten nach einem Telefonat ihre Regierungen angewiesen, bis Freitag alle strittigen Fragen zu klären, meldete die weißrussische Staatsagentur Belta. Beide Seiten machten keine Angaben, wann das Öl wieder nach Deutschland und andere EU-Länder fließen wird. Ein russischer Regierungssprecher kommentierte die von Weißrussland verkündete Kompromisslösung mit den Worten, in Moskau bewerte man das Gespräch der Präsidenten "zurückhaltender". Der Kreml teilte lediglich mit, dass Telefonat der Präsidenten über den Ölstreit sei auf weißrussische Initiative hin geführt worden.

Der weißrussische Regierungschef Sergej Sidorski kündigte an, er werde am Donnerstag zu Gesprächen mit seinem russischen Kollegen Michail Fradkow nach Moskau fliegen. Die Angaben über die Rücknahme der Durchleitungsgebühr stammen ebenfalls von Sidorski. Moskau bekräftigte seinen Vorwurf, Weißrussland habe die Pipeline-Blockade ausgelöst, was Minsk dementierte. In Russland lagen keine offiziellen Zahlen vor, wie groß der finanzielle Schaden für die russische Ölindustrie durch die Blockade der wichtigsten Ölröhre in Richtung Westen ist.

Drastische Preiserhöhung auf dem Energiemarkt

Laut russischen Medienberichten bereitete der Kreml zuletzt drastische Sanktionen gegen den in Ungnade gefallenen Nachbarstaat vor. Die Moskauer Wirtschaftszeitung "Wedomosti" schrieb unter Berufung auf die Regierung, man plane Strafzölle auf weißrussisches Fleisch und andere Lebensmittel sowie auf Möbel und Fernseher. Russland ist für die weißrussische Planwirtschaft der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt.