New York - Der spanische Jahrhundertkünstler Pablo Picasso sorgt in den USA derzeit gleich doppelt für Aufsehen. Der amerikanische Milliardär Steve Wynn will für ein von ihm selbst beschädigtes Werk des Malers 54 Millionen Dollar (rund 42 Millionen Euro) Schadenersatz. Der Kasino-Mogul aus Las Vegas verklagte den Versicherungsmarkt Lloyd's of London vor einem US-Bundesgericht in New York, ihm diesen Betrag als Ausgleich für die Wertminderung des Gemäldes zu zahlen. Unterdessen wurde ebenfalls in New York ein Umzugsunternehmer für den Klau von zwei gestohlenen Picasso-Zeichnungen verhaftet.

Kasino-Betreiber Wynn hatte das Bild "Le Reve" (Der Traum) im vergangenen Herbst für stolze 139 Millionen Dollar an den New Yorker Kunstliebhaber Steven Cohen verkaufen wollen. Unmittelbar vor der Umsetzung des Deals rammte er bei einer Art Abschiedsfeier versehentlich seinen Ellenbogen durch die Leinwand - das abgebildete Modell, die Picasso-Geliebte Marie-Therésè Walter, bekam ein Loch in den Unterarm.

Wynn will Differenzbetrag

In seiner Klage (auf der Internetseite www.thesmokinggun.com dokumentiert) macht Wynn geltend, das Gemälde sei nach der Restaurierung nur mehr 85 Millionen Dollar wert. Gleichwohl habe der Versicherer ihm bisher den Differenzbetrag von 54 Millionen nicht erstattet. Der Unternehmer hatte das Bild selbst 1997 für 48,4 Millionen Dollar gekauft. Mit dem im Herbst vereinbarten Verkaufspreis von 139 Millionen Dollar wäre "Der Traum" das damals teuerste Bild der Welt geworden. Nach seinem millionenschweren Missgeschick hatte Wynn den Kaufvertrag allerdings freiwillig zurückgenommen.

Die Verhaftung des New Yorker Umzugsunternehmers wegen des Diebstahls von zwei Picasso-Zeichnungen ist derweil die Fortsetzung eines mysteriösen Kunstkrimis. Die beiden etwa 60.000 Dollar (gut 46.000 Euro) teuren Bilder stammen aus dem Nachlass eines Kunstsammlers aus Manhattan, der bei seinem Tod im März einen ganzen Schatz gestohlener Kunstwerke in seinem düsteren Appartement hinterließ - neben den beiden Picasso-Zeichnungen, die eine Gitarre und eine Mandoline zeigen, auch Werke von Giacometti, Odilon Redon, Kurt Schwitters und anderen. Wie der Mann in ihren Besitz kam, ist bis heute ungeklärt.

Schwiegermutter bot Zeichnung zum Verkauf an

Der Umzugsunternehmer war von der Stadt beauftragt worden, die Wohnung zu entrümpeln. Dabei ließ er nach den Erkenntnissen von Polizei und FBI die beiden Picassos verschwinden, berichtete die "New York Times". Auch seine Schwiegermutter wurde festgenommen. Ihr wird vorgeworfen, eine der beiden Zeichnungen zum Verkauf angeboten zu haben. Dem Mann drohen bis zu 15 Jahre Haft, seine Schwiegermutter könnte mit einem Jahr davonkommen.