Berlin - "Durch EU-Recht könnte dies eine Möglichkeit sein", sagte der stellvertretende SPD-Fraktionschef Ulrich Kelber. Dann könnten Bauern nicht mehr "teure Tests" zum Nachweis der Gentechnikfreiheit abverlangt werden. Rund 27.000 Landwirte haben sich nach Angaben von Umweltverbänden derzeit freiwillig in 100 gentechnikfreien Regionen zusammengeschlossen. Der Schwerpunkt liegt in Süddeutschland.

Die SPD-Fraktion will wesentliche Änderungen an der geplanten Novelle des Gentechnikgesetzes von Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) durchsetzen. "So kann es nicht bleiben", sagte Kelber. "Wir befürchten, dass der Entwurf des Agrarministeriums die Koexistenz nicht auf Dauer gewährleistet, auch nicht die Wahlfreiheit der Verbraucher." Strittig ist, inwieweit der Anbau gentechnisch veränderter und herkömmlicher Pflanzen vereinbar ist. Die SPD befürchtet wie Verbände und Grüne, dass über Gen-Pollen eine Vermischung stattfindet, die auch in Lebensmitteln Bestand hat.

Der Abstand zwischen Genmais-Feldern und herkömmlichem Anbau muss nach Ansicht der SPD-Fraktion gegenüber den bisherigen Plänen auf 300 Meter verdoppelt werden. Der Schwellenwert, von dem an eine Entschädigung bei Vermischung mit genmanipuliertem Material möglich sein soll, müsse unter dem geplanten Anteil von 0,9 Prozent liegen, sagte Kelber. Seehofer hatte sich offen gezeigt, mit der SPD über den Abstand zu diskutieren. Er hält eine baldige Einigung über die Novelle und die Vorlage von Eckpunkten im Bundeskabinett für denkbar. (tso/dpa)

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