Frankfurt/Main - "Heute beenden wir dieses Projekt. Die Stadtguerilla in Form der RAF ist nun Geschichte". Mit diesen Worten zog die Rote-Armee-Fraktion (RAF) im April 1998 in einem Schreiben einen Strich unter ihre Terroraktionen. Mehr als 30 Morde gingen in dieser Zeit auf das Konto der RAF. Ihre Wurzeln liegen in der Studentenbewegung der zweiten Hälfte der 60er Jahre. Anders als in manchen diktatorisch regierten Staaten speiste sich der Terrorismus in Deutschland nicht aus sozialen Defiziten. Vielmehr kamen die meisten Terroristen aus gehobenem Milieu. Sie gingen in den 60er Jahren mit der Generation ihrer Eltern hart ins Gericht und warfen ihnen angesichts der NS-Gräueltaten moralisches Versagen vor.

Ziel der RAF-Terroristen war es, durch systematische Gewalt auf ausgewählte Repräsentanten des "Systems" die "herrschende Schicht" zu verunsichern und die "unterdrückte Klasse" zu mobilisieren. Die Bevölkerung solidarisierte sich jedoch mit der politischen Führung, nicht mit ihren militanten Gegnern.

Die "Baader-Meinhof-Bande"

Seinen Anfang nahm der Terror 1968, als Andreas Baader und Gudrun Ensslin in zwei Kaufhäusern in Frankfurt am Main Brände legten. Dem Duo schloss sich die Journalistin Ulrike Meinhof an. Die "Baader-Meinhof-Bande" verbreitete fortan mit Mord- und Bombenanschlägen sowie Banküberfällen Entsetzen und Verunsicherung. 1972 wurden Baader, Ensslin und Meinhof gefasst, ebenso ihre Komplizen Jan-Carl Raspe und Holger Meins.

Die Gesinnungsgenossen der Fünf machten aber weiter und ließen sich von palästinensischen Freischärlern ausbilden. 1977 erreichte die Terrorwelle ihren Höhepunkt. Generalbundesanwalt Siegfried Buback, der Bankier Jürgen Ponto und Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer wurden ermordet.

Der Fall "Landshut"

Schließlich kaperten palästinensische Terroristen die Lufthansa-Maschine "Landshut" mit 91 Insassen. Sie wollten von der Bundesregierung die Freilassung inhaftierter RAF-Mitglieder erpressen. Die Terroristen erschossen den Flugkapitän und zwangen die Besatzung zur Landung in der somalischen Hauptstadt Mogadischu. Dort stürmte eine Sondereinheit der GSG 9 das Flugzeug. Bei der Befreiungsaktion überlebten alle Geiseln, drei der vier Entführer wurden erschossen.