Tel Aviv - Das israelische Justizministerium teilte mit, Generalstabschef Menachem Masus habe eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen. "Es gibt ausreichend Beweise für eine Anklageschrift gegen den Präsidenten", hieß es in der Mitteilung des Justizministeriums. Über eine formale endgültige Anklageerhebung solle allerdings erst nach einer letzten Anhörung von Katzav entschieden werden. Nach israelischen Medienberichten könnte dies erneut bis zu drei Monate dauern.

Katzavs Anwalt David Libai sagte in Tel Aviv, der Präsident werde kämpfen, um seine Unschuld zu beweisen. Er sei zuversichtlich, dass man Masus mit Hilfe neuer Beweise überzeugen könnte, von seiner Entscheidung abzuweichen. Generalstaatsanwalt Menachem Masus folgte mit seiner Empfehlung für eine Anklageerhebung Vorgaben der Polizei. Diese hatte sich sich Mitte Oktober nach dreimonatigen Ermittlungen dafür ausgesprochen, Katzav vor Gericht zu stellen.

Sexuelles Vergehen gegen vier Frauen

Nach Medienberichten soll der Präsident nun wegen sexueller Vergehen gegen vier Frauen angeklagt werden, die während seiner Amtszeit als Präsident oder zuvor als Tourismusminister für ihn gearbeitet hatten. Er soll sie in Missbrauch seiner Macht sexuell gefügig gemacht haben. Ursprünglich hatten sich zehn Frauen bei der Polizei über Katzav beschwert. Ein weiterer Anklagepunkt lautet, Katzav habe bei privaten Festen Dutzende von Silberkelchen verteilt, die auf Kosten des Präsidentenamts gekauft worden seien. Zudem soll er Zeugen eingeschüchtert und die Ermittlungen behindert haben.

Der Anwalt Katzavs stellte die Glaubwürdigkeit der Frauen, die sich über den Präsidenten beschwert hatten, in Frage. Sie hätten sich erst Jahre nach den angeblichen Vorfällen gemeldet, nachdem sie vergeblich versucht hätten, wieder eine Anstellung bei dem Präsidenten zu erhalten. "Was weiß denn die Öffentlichkeit von diesen Frauen, wer sind sie überhaupt?" Der Präsident wolle sich an diesem Mittwoch vor der Presse über seine Zukunft äußern.

Mehrere Parlamentsabgeordnete verschiedener Fraktionen forderten umgehend einen sofortigen Rücktritt Katzavs. "Die Vorwürfe gegen Katzav sind besonders schwerwiegend", erklärte Scheli Chaimowitsch von der Arbeitspartei. Er könne auf keinen Fall im Amt bleiben. Notfalls müsse das Parlament ihn absetzen. Auch Frauen- und Bürgerrechtsorganisationen forderten seinen Rücktritt. Im Oktober hatte Katzav eine von Masus empfohlene Amtsniederlegung zunächst abgelehnt.

(tso/dpa)